Berlin : Hupkonzerte machen noch keine Lobby

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Der neue Minister für die Belange der Auslandstürken, Mehmet Aydin, will eine starke türkische Lobby schaffen – auch in Berlin. Das kündigte er auf der ersten Seite der Europabeilage der Hürriyet am Donnerstag an. Sein Amt sei „nie über ein Scheinamt hinausgekommen“, klagt er darin. Das werde sich ändern: „Sie (die Auslandstürken) werden uns und wir sie führen. Folglich werden wir mit den Landsleuten gemeinsam Politik machen.“ Beide Seiten sollen voneinander profitieren. Was das genau umfassen soll, stand allerdings nicht dabei. Die Zeitung stellte dem Minister Fragen, die er beantwortete. Er wolle sich dafür engagieren, dass türkische Staatsbürger vom Ausland aus per Briefwahl in der Türkei wählen könnten. Und noch ein Problem wolle er unbedingt lösen. In Deutschland, Holland und Dänemark wolle er sich für den Erhalt des Türkischunterrichts an Schulen einsetzen. „In der Frage der Sprache werden wir keinen Schritt zurückgehen“, zitierte die Hürriyet den Minister.

Mit dem Thema Auslandstürken beschäftige sich am Freitag auch die Tageszeitung Zaman, die als gemäßigt-islamistisch gilt. „Das Gipfeltreffen in Kopenhagen soll den Türken in Europa eine Lektion sein“, hieß es zum Aufmacher auf der Titelseite. Bei dem Treffen in der dänischen Hauptstadt Mitte Dezember hatte die Türkei keinen Termin für den Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen genannt bekommen.

Schuld an diesem Debakel sind nach Ansicht der Zeitung die „Landsleute in der Fremde“, die sich dafür nicht genügend stark machten. Zu dem Text zeigte das Blatt ein Foto von den Jubelfeiern in der Zeit der Fußballweltmeisterschaft in Kreuzberg und schrieb dazu: „Statt ihre Massenversammlungen extra für einflussreiche Institutionen und für die Medien zu organisieren, begnügen sie sich damit, Hupkonzerte zu veranstalten.“ Mit Schimpf und Tadel ging es weiter im Text: „Als das US-Justizministerium Armenien in seine Liste der unsicheren Staaten aufgenommen hatte, gingen in dem Ministerium 12 000 Protestfaxe von Armeniern ein. Auf einmal verschwand Armenien von dieser Liste. (…) Die mächtige Lobby der zivilen Organisationen der wenigen 2000 Griechen in der Türkei und der mehrere tausend Juden in Europa sollte den vier Millionen Türken in Europa ein Beispiel sein.“ Diesem Appell widmete Zaman nicht nur den Titel, sondern auch die gesamte Seite 7.

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