Berlin : ICC-Sanierung ist dem Senat 182 Millionen Euro wert

Umbau ist teurer als Abriss – rechnet sich aber langfristig. 2016 soll Umbau beendet sein. Grüne bedauern das Ende der Deutschlandhalle

Ulrich Zawatka-Gerlach

Die Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC), die der Senat gestern beschlossen hat, wird voraussichtlich 182 Millionen Euro kosten. Die Gebäudetechnik wird komplett erneuert. Außerdem wird das ICC teilweise umgebaut, um die Saal- und Ausstellungsflächen um 2000 bis 3000 Quadratmeter zu erweitern. Der große Saal 1 mit 5000 Plätzen bleibt erhalten, der Saal 2 soll für Bankette genutzt werden. Das Parkhaus wird vorerst nicht abgerissen, der spätere Nutzungszweck ist noch unklar.

Offen bleibt auch, ob die Fußgängerbrücke über dem Messedamm verbreitert wird. Die Sanierung und Modernisierung des ICC wird – nach höchstens zweijähriger Planungsphase – frühestens 2010 beginnen und sechs Jahre dauern. Der Kongressbetrieb soll möglichst wenig beeinträchtigt werden. Trotzdem wird die landeseigene Messe GmbH einige Veranstaltungen auslagern müssen. Zum Beispiel in provisorische oder dauerhafte Hallen, die am Standort der Deutschlandhalle gebaut werden könnten. Die Deutschlandhalle wird voraussichtlich 2009 abgerissen (Kosten: vier Millionen Euro) und eine neue Eissporthalle in der Nähe des Olympiastadions gebaut. Der Senat will sich bemühen, dafür Mittel aus dem Landeshaushalt zur Verfügung zu stellen.

„Ich bin froh, dass die Diskussion um das ICC beendet ist“, sagte gestern Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). Ein Kongressneubau wäre die kostengünstigere Lösung gewesen, aber letztlich hätten die städtebauliche Bedeutung des ICC und die Risiken eines Abrisses oder einer privaten Nachnutzung den Ausschlag für den Senatsbeschluss gegeben. „Das ist auch eine Ost-West-Diskussion gewesen, die ich nicht zielführend finde, die in Berlin aber immer noch Emotionen weckt“, fügte Wolf hinzu. „Siehe Tempelhof!“ Entscheidend sei jedoch, dass die Messegesellschaft ein zukunftsfähiges Kongresszentrum erhalte.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) begründete den Senatsbeschluss unter anderem damit, dass die Erhaltung des ICC ohne Messenutzung „nicht abschätzbare Risiken“ mit sich gebracht hätte. Auch der Abriss wäre eine nur schwer zu bewältigende Herausforderung gewesen. Ein neues Kongresszentrum hätte 150 Millionen Euro gekostet. Rechne man in diese Variante den Abriss von ICC und Deutschlandhalle sowie das neue Eisstadion ein, lägen die Gesamtkosten bei 223 Millionen Euro. Dem stehen 182 Millionen Euro für die ICC-Sanierung und weitere 58 Millionen Euro für ein noch nicht beschlossenes Raumerweiterungsprogramm gegenüber. Inklusive Abriss der Deutschlandhalle und Stadionneubau sind das 258 Millionen Euro.

Die ICC-Sanierung ist also 35 Millionen Euro teurer. Allerdings verringern sich die Betriebskosten von 11,9 Millionen Euro jährlich durch die Modernisierung auf 6,6 bis 9,7 Millionen Euro. Langfristig amortisiert sich also der Umbau. CDU und Grüne begrüßten die ICC-Sanierung. Die Grünen wollen aber die Deutschlandhalle erhalten.

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