ICC-Sprengung : „Völlig emotionslos“

Christoph Halter ist Sprengmeister. Am Samstag jagt er die Deutschlandhalle in die Luft.

Pragmatisch . Sprengmeister Christoph Halter will am Samstag die Deutschlandhalle in Schutt und Asche legen. Für ihn kein Problem: „Das ist doch mein Job“, sagt er.Foto: Paul Zinken
Pragmatisch . Sprengmeister Christoph Halter will am Samstag die Deutschlandhalle in Schutt und Asche legen. Für ihn kein...

Christoph Halter ist Pragmatiker – ebenso nüchtern wie professionell. Innerhalb weniger Sekunden legt er ganze Gebäude in Schutt und Asche. Gesprengt habe er schon jede Menge, sagt er, etwa den Bellevue-Tower am Potsdamer Platz oder die Sachsendammbrücke.

Am Sonnabend wird der 56-Jährige das Dach der Deutschlandhalle in die Luft jagen, mit 25 Kilo Sprengstoff. Ein Knall, eine Staubwolke – und vorbei. „Völlig emotionslos“ sehe er das, sagt der Sprengmeister. „Das ist doch mein Job.“

Dabei knüpft Halter – wie so viele andere West-Berliner – besondere Erinnerungen an die Deutschlandhalle in Westend. In den 70ern habe er dort als Ordner gearbeitet, erzählt er, war bei Pink Floyd, Holiday on Ice oder am Ring, als Eckhard Dagge dort boxte. Doch dann kommt wieder der Ingenieur in ihm durch, der Chef eines Spandauer Familienunternehmens, das seit 1925 Gebäude dem Erdboden gleichmacht: „Das Gebäude ist marode und modert nur vor sich hin.“

Ganz so pragmatisch wie Halter sehen das nicht alle. Der Verein „Denk mal an Berlin“ hat sich jahrelang energisch für die Erhaltung der denkmalgeschützten Halle eingesetzt. Sie sei ein Stück Stadtgeschichte, argumentierten sie. Mittlerweile haben sie aber offenbar resigniert. Der Zug sei schon lang abgefahren, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Bei der Sprengung wolle sie nicht vor Ort sein. Weitere Aktionen seien nicht geplant.

Eine offizielle Abschiedsfeier für die 1936 errichtete Mehrzweckhalle, in der die Stones, Jimi Hendrix oder David Bowie spielten, wird es nicht geben. Der Senat, der den Abriss gegen den Widerstand des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf durchsetzte, hat nichts geplant. Auch bei der landeseigenen Messe Berlin GmbH weint man der Deutschlandhalle keine Träne nach. Sie wollen dort für 65 Millionen Euro einen zweigeschossigen Neubau errichten, mit 20 000 Quadratmetern Fläche. Bis Ende 2013 soll die neue Halle fertig sein und dann als Ausweichort dienen, wenn das Internationale Congress-Centrum ICC zwischen 2014 und 2016 saniert wird.

Vorher aber muss erst einmal die Deutschlandhalle weg. Am Samstag um zehn Uhr wird Christoph Halter das Stahlgerüst des Daches sprengen. Die Avus ist von 9.45 Uhr bis 10.15 Uhr zwischen Funkturm und Hüttenweg gesperrt. Ein geschichtsträchtiger Ort wird dann Geschichte sein; für Halter jedoch fängt die Arbeit erst an. Die Abbrucharbeiten sollen sich bis ins Frühjahr hinziehen. bjs

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