Berlin : ICE-Pannenfahrt nach Nürnberg

Fahrt aus Berlin dauerte zehn statt fünf Stunden. Bahn sieht keine Zunahme von technischen Problemen

Rainer W. During,Carsten Brönstrup

Die Pannenserie bei der Bahn geht weiter. Weil ein ICE auf freier Strecke seinen Geist aufgab und der Ersatzzug einen Leitungsschaden umfahren musste, dauerte die Horrorfahrt von Berlin nach Nürnberg fast zehn statt fünf Stunden. Auf derselben Strecke hatte am Mittwoch ein anderer ICE erneut technische Probleme. Dennoch gibt es nach Angaben eines Bahnsprechers keine Zunahme der Betriebsstörungen bei ICE-Zügen.

Am Dienstagvormittag hatte der ICE Hamburg-München schon bei seiner Ankunft im Berliner Ostbahnhof 15 Minuten Verspätung – angeblich wegen einer Baustelle. Während der Fahrt gab es immer wieder längere Aufenthalte in den Bahnhöfen. Im Leipziger Bahnhof versuchte der Zugführer, den Defekt zu beheben. Bei Naumburg/Saale gab der ICE endgültig den Geist auf. Rund zwei Stunden mussten die Fahrgäste in den geschlossenen, überhitzten Waggons ausharren. Obwohl ein älterer Mann bereits über Atemprobleme klagte, wurde nach Angaben von Fahrgästen nur eine Tür für die Frischluftzufuhr geöffnet.

Schließlich wurde ein nachfolgender, bereits gut belegter ICE auf das Nebengleis geleitet, die Passagiere konnten über wenige Nottreppen umsteigen. Als der Ersatzzug sich endlich in Bewegung setzte, kontrollierte das Personal erst einmal die Fahrkarten der Zugestiegenen. Die fälligen 25-Euro-Gutscheine (ab 90-minütiger Verspätung) wurden erst auf Nachfrage ausgegeben. Eine Entschuldigung mit der Bitte um Verständnis kam per Lautsprecher-Durchsage.

Dabei war Nürnberg noch lange nicht erreicht. Wegen eines Oberleitungsschadens lief der Zug erst nach einem großen Umweg in der fränkischen Metropole ein.

Wie berichtet war Ende April ein ICE zwischen Heerstraße und Spandau mit einem Bremsdefekt liegen geblieben, die rund 600 Fahrgäste mussten vier Stunden im Zug ausharren. Ende Mai traf es etwa 250 Passagiere bei Dallgow ähnlich hart. Ein abgerissener Stromabnehmer verursachte einen zweieinhalbstündigen Zwangsaufenthalt. Dagegen war am vergangenen Sonntag ein IC an den wartenden Reisenden vorbei durch den Bahnhof Spandau gerast, weil der planmäßige Stopp nicht im Bordcomputer gespeichert war. Die Fahrgäste mussten deswegen mit einem späteren Zug fahren.

In jedem dieser Fälle habe es sich um unterschiedliche Defekte gehandelt, sagte Bahnsprecher Holger Auferkamp. Bei dem defekten ICE am Dienstag sei die Bordstromversorgung ausgefallen, sagte er und entschuldigte sich bei den diesmal rund 200 betroffenen Fahrgästen . Im Zug selbst hatte das Personal einen Triebkopfausfall als Störungsursache genannt.

In den vergangenen Jahren haben sich technische Störungen an Zügen gehäuft. Von der S-Bahn bis zum Renommier-Zug ICE – überall gibt es immer wieder technische Pannen, sogar Totalausfälle. Anders als früher werden bei der Bahn neue Züge nicht mehr in Eigenregie entwickelt, sondern von der Industrie. Künftig wollen Bahn und Industrie das Qualitätsproblem gemeinsam bekämpfen und schon in der Entwicklung neuer Typen enger zusammenarbeiten.

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