Berlin : „Ich bereue es nicht, zur Demo gefahren zu sein“

Vor zwei Monaten wurde René K. in Polen verhaftet. Nun ist er in Berlin – und wartet auf seinen Prozess

Annette Kögel

Gerade noch saß er im Gefängnis, bald sitzt er wieder in seiner Klasse. „In einer Woche geht die Schule weiter, bis dahin will ich wieder halbwegs runterkommen“, sagt René K. Der 24-jährige Köpenicker, der sein Abitur im zweiten Bildungsweg nachmacht, ist seit Sonnabend wieder in Berlin. Zwei Monate Untersuchungshaft in Polen liegen hinter ihm, ein Prozess wegen Besitzes einer minderschweren Menge Drogen sowie wegen Angriffs auf Polizeibeamte mit Schlagstock und Reizgas liegt noch vor ihm.

Wie ist es ihm ergangen im Gefängnis? „Ich war mit fünf Leuten in einer Zelle“, sagt René K. Die Zeit habe er sich mit „ Karten und Schach spielen, Sport treiben, putzen und viel schlafen“ vertrieben. Deutschsprachige Zeitungen und Bücher habe man ihm nicht zur Verfügung gestellt, sagt sein Anwalt Wolfgang Kaleck.

Trotz der Inhaftierung bereut es René K. aber „auf keinen Fall, dass ich zur Demo nach Warschau gefahren bin“. Er sei „solidarisch mit den Leuten in Warschau wie in Moskau, die für die Anerkennung und Selbstbestimmung ihrer Sexualität eintreten“. Deshalb war er am 10. Juni, wie viele Grünen-Politiker, zur Demo nach Warschau gefahren. „Es gibt Fotos, die meinen Mandanten kurz vor der Festnahme mit Sonnenhut und Sonnenbrille zeigen“, sagte sein Anwalt gestern. Der Vorwurf der Vermummung sei genauso unzutreffend wie jener, er habe Beamte mit Baseballkeule und Reizgas attackiert. Ìm Rucksack von René K. befand sich bei der Festnahme eine Motorradfahrermaske, sagt der Anwalt. „Das allein ist aber kein Grund für eine Festnahme.“

Kaleck will auf Freispruch plädieren. Das Höchstrafmaß liegt bei zehn Jahren; eine Bewährungsstrafe erscheint Kaleck wahrscheinlich. „Verhandelt wird in Polen, es gibt auch polnische Zeugen.“ Für die Menge von unter 0,1 Gramm einer Partydroge, die K. dabei hatte, werde es wohl eine Geldstrafe geben. Der lesben- und schwulenpolitische Sprecher der Berliner Grünen, Thomas Birk, war auch bei der Demo und kritisiert, „dass an einem Festgenommenen das gesamte Tableau von Vorwürfen abgearbeitet werden soll“.

K.’s Anwalt sagt, der Beschuldigte erhalte enorm viel Unterstützung von der Initiative seiner Freunde, Queer-Berlin. Renés Freundin Rosa holte ihn am Freitag aus Warschau ab. Gestern traf sich René erstmal mit seinen Freunden und besuchte seine Oma.

0 Kommentare

Neuester Kommentar