Ich bin ein BERLINER (17) : „Der Dom ist mein Museum“

Der Berliner Dom war für Brigitte Kucerova, 62, schon immer eine Heimat. Seit der Wende ist aus dem Gotteshaus noch mehr für sie geworden. In unserer Serie "Ich bin ein Berliner" erzählt sie, was sie am Leben in der Hauptstadt schätzt.

von und Jana Gioia Baurmann,Jan Garcia
Ich bin ein Berliner (17)
Ich bin ein Berliner (17)

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Arbeitstag im Dom: Es war ein Sommer kurz nach der Wende, die Sonne schien. Der Gottesdienst fand in der kleinen Nebenkapelle statt, das Portal, durch das die Besucher kommen sollten, ging direkt Richtung Palast der Republik. Der war damals noch sauber, alles war ja aus Glas. Morgens öffnete ich die Tür und sah, wie sich der Dom im Palast spiegelt. ’Wow’, dachte ich. 'Und hier arbeitest du ab heute!'

Inzwischen bin ich seit mehr als 20 Jahren im Dom tätig, mache ehrenamtlich Führungen für Touristen. Die meisten Besucher glauben anfangs, es sei eine katholische Kirche. Dann kommt das Erstaunen. Besucher genießen den riesigen Raum – auch als Museum. Vielleicht spüren sie hier drin, was Kirche ausmacht. Ich habe das zumindest oft erlebt.

Ich bin 1981 nach Berlin gekommen, aber schon seit meiner Kindheit habe ich einen Bezug zur Stadt; meine Großeltern lebten hier. Bis zum Bau der Mauer war ich jedes Jahr hier, dann war Schluss. Ich habe in Prag gelebt, musste aber mit meiner Familie in den Westen flüchten. Eigentlich wollten wir nach Bayern oder Norddeutschland, Freunde überredeten uns aber, nach West-Berlin zu kommen. Trotz der Teilung habe ich mich hier nie eingesperrt gefühlt, ganz im Gegenteil: Für mich und meine Familie war Berlin eine freie Stadt.

Mein Arbeitsplatz ist jetzt das größte Gotteshaus der Stadt und eine der größten Kirchen Deutschlands. Für die Berliner ist Glaube aber nicht so wichtig.

Brigitte Kucerova, 62, Chefsekretärin im Berliner Dom
Brigitte Kucerova, 62, Chefsekretärin im Berliner DomFoto: Röhlig

Vor 50 Jahren - am 26. Juni 1963 - hielt John F. Kennedy seine berühmte Berliner Rede. Hier erzählen 100 Berliner, was ihnen diese Worte bedeuten - und wie sie die Stadt heute erleben. Siemens unterstützt das Tagesspiegel-Projekt. Alle bisher erschienen Videos zu der Serie "Ich bin ein Berliner" finden Sie unter: www.tagesspiegel.de/berliner

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