Ich bin ein BERLINER (32) : „Der Krieg, das Dunkle“

Igor Dujkuvic, 39, arbeitet als Altenpfleger in Berlin - und bekommt so einen ganz anderen Blick auf die Geschichte der Stadt. In unserer Serie "Ich bin ein Berliner" erzählt er, was er am Leben in Berlin schätzt - aber auch, was "Scheiße" ist.

von und Jana Gioia Baurmann
Ich bin ein Berliner (32)

Ich arbeite als Pfleger in einem Altenheim in Zehlendorf. Manche sind Jahrgang 1913, ’17, ’18, die sind vom Krieg verfolgt, haben alles mitgemacht. Wenn die erzählen, habe ich das Gefühl, dass sie von einer anderen Stadt sprechen. Ich finde das spannend. Wenn man interessiert ist an der Historie und an den Menschen, dann kann man da erstaunliche und auch tolle Geschichten hören.

Ich bin in Neukölln geboren und dort auch teilweise aufgewachsen. Den Bezirk finde ich nicht cool, ich will da auch nicht mehr wohnen. Ich lebe jetzt in Schöneberg, da ist’s schön, sagt der Name ja schon. Hier wohnen andere Menschen, der Stadtteil entwickelt sich anders.

Meine Ausbildung zum Altenpfleger habe ich abgebrochen, trotzdem arbeite ich in dem Bereich. Altenpflege wird nicht wirklich ernst genommen, nicht nur in Berlin ist das so. Wir haben viel zu wenig Zeit für die Menschen. Das ist kacke für die – und für uns. Und immer ist zu wenig Geld da.

Ich habe lange in Westdeutschland gelebt, in Frankfurt am Main. In Berlin bekommt man für die gleiche Arbeit weniger Geld, ich verstehe das nicht. Hinzu kommt der überlastete Wohnungsmarkt.

Menschen aus aller Welt kommen nach Berlin, um ihr Glück zu suchen. In Form von Partys, Drogen, was weiß ich. Die vielen Künstler und so, das ist natürlich toll. Aber manche bringen ihr Kaputtsein mit in die Stadt, hier gibt es ganz viele Drogen und ganz viele kaputte Menschen. Berlin hat viel Dunkles.“

Igor Dujuvic, 39, Altenpfleger aus Schöneberg.
Igor Dujuvic, 39, Altenpfleger aus Schöneberg.Foto: Röhlig

Vor 50 Jahren - am 26. Juni 1963 - hielt John F. Kennedy seine berühmte Berliner Rede. Hier erzählen 100 Berliner, was ihnen diese Worte bedeuten - und wie sie die Stadt heute erleben. Siemens unterstützt das Tagesspiegel-Projekt. Alle bisher erschienen Videos zu der Serie "Ich bin ein Berliner" finden Sie unter: www.tagesspiegel.de/berliner

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