Ich bin ein BERLINER (33) : „Meine Familie war geteilt“

Für Bernd Mothes, 64, wurde die Teilung Berlins auch zur Teilung seiner Eltern. Den Vater erlebte er nur noch durch "West-Pakete". In unserer Serie "Ich bin ein Berliner" erzählt er, was er heute am Leben in Berlin schätzt.

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Ich bin ein Berliner (33)
Ich bin ein Berliner (33)

Am 13. August 1961, am Tag der Teilung, bin ich rüber nach West-Berlin, mein Vater lebte dort. Ich war 13, ein kleiner Junge. Als ich ein paar Tage später über den Grenzübergang Friedrichstraße gegangen bin, haben die meinen kleinen Rucksack drei Mal umgekippt, alles wurde genau durchsucht.

Ich bin in Pankow geboren, als meine Eltern sich trennten, zog ich mit meiner Mutter ins Vogtland. Erst nach dem Studium kam ich wieder hierher.

Mein Vater blieb immer in Berlin, er ging in den Westen der Stadt. Wir schrieben uns Briefe, telefonieren konnten wir ja nicht. Zu den Feiertagen schrieb ich ihm Karten, er schickte mir regelmäßig Pakete mit Blöcken und Faber-Buntstiften drin.

Einmal haben wir uns noch gesehen, ganz kurz, am Grenzübergang Friedrichstraße. Er ist rübergekommen zu uns. Mehr weiß ich von meinem Vater auch nicht, die Zeit der Trennung war einfach zu lang. Er starb noch vor der Wende.

Bernd Mothes, 64, Rentner aus Marzahn: "Faber-Stifte vom Vater"
Bernd Mothes, 64, Rentner aus Marzahn: "Faber-Stifte vom Vater"Foto: Röhlig

Vor 50 Jahren - am 26. Juni 1963 - hielt John F. Kennedy seine berühmte Berliner Rede. Hier erzählen 100 Berliner, was ihnen diese Worte bedeuten - und wie sie die Stadt heute erleben. Siemens unterstützt das Tagesspiegel-Projekt. Alle bisher erschienen Videos zu der Serie "Ich bin ein Berliner" finden Sie unter: www.tagesspiegel.de/berliner

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