Ich bin ein BERLINER (35) : „Auf einen Tee in Lichtenberg“

Wenn er in Berlin unterwegs ist, tuscheln manche: "Guck mal, bin Laden." Doch Khalid Javed, 53, lacht da nur drüber. In unserer Serie "Ich bin ein Berliner" erzählt er, was er am Leben in Berlin schätzt.

von und Jana Gioia Baurmann
Ich bin ein Berliner (35)
Ich bin ein Berliner (35)

Nach Berlin bin ich gekommen, um mein Glück mit Taschen zu machen. Seit 2012 bin ich nun hier. Im Dong-Xuan-Center in Lichtenberg gibt es seit November die Halle 6, dort habe ich einen Laden, ‚Jany Mode’, ich verkaufe Handtaschen und Lederwaren. 1978 bin ich aus Pakistan nach Deutschland gekommen, als Asylbewerber. Ich habe in einer Fabrik gearbeitet, für Coca-Cola, auf der Baustelle, am Frankfurter Flughafen ... dann habe ich mich selbstständig gemacht.

Nach der Wende war ich 13 Jahre lang in Jena, habe Wochenmarkt und so gemacht. Zu der Zeit lief das Geschäft super! Dann ging ich nach Leipzig, auch dort gibt es ein Dong-Xuan-Center, acht Jahre lang arbeitete ich als Textilgroßhändler. Jetzt Berlin.

Wenn ich außerhalb des Centers unterwegs bin, was nicht sehr oft vorkommt, tuscheln manche: ‚Guck mal, bin Laden.’ Was soll ich machen? (lacht) Ich bin Moslem und inzwischen bin ich auch Deutscher, ich habe die deutsche Staatsangehörigkeit, ich fühle mich deutsch.

Als ich nach Lichtenberg gezogen bin, haben mich einige gefragt: ‚Warum hast du dir ausgerechnet in Ost-Berlin eine Wohnung genommen? Das ist nicht gut für dich.’ Aber ich fühle mich sehr wohl hier, schlechte Erfahrungen habe ich noch keine gemacht.

Die Deutschen, die in meinen Laden kommen, wissen oft einiges über Pakistan. Manche waren in Islamabad, sie schätzen die Gastfreundlichkeit im Land. Und auch ich bin gastfreundlich: Wer in meinen Laden kommt, bekommt eine Tasse Tee oder Kaffee angeboten oder ein kaltes Getränk.

Khalid Javed, 53, Händler aus Lichtenberg: "Ich fühle mich wohl"
Khalid Javed, 53, Händler aus Lichtenberg: "Ich fühle mich wohl"Foto: Röhlig

Vor 50 Jahren - am 26. Juni 1963 - hielt John F. Kennedy seine berühmte Berliner Rede. Hier erzählen 100 Berliner, was ihnen diese Worte bedeuten - und wie sie die Stadt heute erleben. Siemens unterstützt das Tagesspiegel-Projekt. Alle bisher erschienen Videos zu der Serie "Ich bin ein Berliner" finden Sie unter: www.tagesspiegel.de/berliner

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