Ich bin ein BERLINER (38) : „Der Sieg geht nach Berlin“

Angelika Jost-Schick, 64, hat ihre Leidenschaft für Pferde von ihrem kosakischen Urgroßvater geerbt. In unserer Serie "Ich bin ein Berliner" erzählt sie, wie sie für Berlin einen Heimsieg einfuhr.

Jana Gioia Baurmann,Jan García
Ich bin ein Berliner (38)
Ich bin ein Berliner (38)

Meine Mutti kommt aus Russland, sie erzählte mir mal, dass ihr Großvater Kosake gewesen sei, er hat extrem viel mit Pferden gemacht, hat nur für die gelebt. Ich hatte nie mit Pferden zu tun, aber als ich dann – mit Ende 50 – eines geschenkt bekommen habe, war es Liebe auf den ersten Blick.

Ich bin Berlinerin, in Neukölln geboren. Wir wohnten in der Nähe vom Plänterwald, Köllnische Heide. Damals war es noch ländlich dort, sehr ruhig. Mit anderen Kindern bin ich oft rüber in den Osten, zum Spielen. Dann stand plötzlich die Mauer, wir konnten das gar nicht fassen.

Als ich beruflich kürzer trat, packte mich der Pferde-Virus: Diese Tiere sind so faszinierend, die wissen ja gar nicht, wie viel Kraft sie haben. Wenn man hinter denen sitzt, im Sulky, und 500 Kilogramm in den Händen hält. Das ist wie ein Rausch.

Mit meinem Pferd habe ich acht Rennen gewonnen, dann traten wir bei der Deutschen Amateur-Meisterschaft an. Im Endlauf lag ich zurück, irgendwann packte mich der Ehrgeiz. Wir haben dann auch gewonnen, mit einer Länge Vorsprung! Aus den Lautsprechern tönte es: „Der Sieg geht nach Berlin!“ Und die Leute standen auf Tischen und Bänken, die haben sich so gefreut, dass der Sieg in Berlin blieb.

Angelika Jost-Schick, 64, hat der Pferde-Virus gepackt.
Angelika Jost-Schick, 64, hat der Pferde-Virus gepackt.Foto: Jan García

Vor 50 Jahren - am 26. Juni 1963 - hielt John F. Kennedy seine berühmte Berliner Rede. Hier erzählen 100 Berliner, was ihnen diese Worte bedeuten - und wie sie die Stadt heute erleben. Siemens unterstützt das Tagesspiegel-Projekt. Alle bisher erschienen Videos zu der Serie "Ich bin ein Berliner" finden Sie unter: www.tagesspiegel.de/berliner

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