Ich bin ein BERLINER (48) : „Überfüllung im Britzer Garten“

Michael Großkreutz, 69, lebt in Britz - und hat die Natur für sich entdeckt. In unserer Serie "Ich bin ein Berliner" erzählt er, was ihm an der Hauptstadt gefällt.

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Ich bin ein Berliner (48)
Ich bin ein Berliner (48)

Im Britzer Garten bin ich drei Mal die Woche mit meinen Nordic Walking-Stöcken unterwegs. Ich wohne hier ganz in der Nähe, von meiner Haustür sind es 1000 Meter, dann bin ich hier. Geboren wurde ich 44 in Templin, ich bin also kein Urberliner … ein Jahr später zogen meine Eltern mit mir aber in die Stadt.

Anfangs wohnten wir im Ostteil, später waren wir dann eine der letzten Familien, die regulär in den Westen umziehen durften. Mein Vater hatte zusammen mit meinem Großvater eine Firma in West-Berlin, wir haben also einen Antrag auf Umzug gestellt. Ich weiß noch, dass meine Mutter damit beschäftigt war, alles genauestens aufzulisten: zehn Bleistifte hier, zwei Spitzer da … meine Mutter wollte dem Regime nichts überlassen.

Das Häuschen, in dem meine Frau und ich wohnen, haben wir schon lange. Mal war geplant, dort einen Ableger der Stadtautobahn zu bauen, das fanden wir nicht so toll. Dann kam die Idee mit dem Garten. Britzer Garten. Darunter konnten wir uns nichts vorstellen. Wir haben uns nur gewundert, dass dort, wo eine Senke war, ein Hügel aufgeschüttet wurde … und dort, wo ein Hügel war, eine Senke gegraben. Doch mit der Eröffnung waren wir überzeugt, dass der Garten ein Renner werden wird.

Meistens laufe ich von zuhause bis hierher. Meine Frau und ich kommen oft frühmorgens in den Garten. Es gibt einen Eingang, wo man mit Dauerkarte schon um acht Uhr rein kann. Dann sind wir hier fast alleine. Manchmal erlaube ich mir den Spaß und zähle die Menschen, die mit uns da sind. Wenn es mehr als acht sind, sage ich zu meiner Frau: ’Du, wir müssen gehen. Hier wird gleich wegen Überfüllung geschlossen!’

Michael Großkreutz, 69, aus Britz: "Das wird ein Renner"
Michael Großkreutz, 69, aus Britz: "Das wird ein Renner"Foto: Röhlig

Vor 50 Jahren - am 26. Juni 1963 - hielt John F. Kennedy seine berühmte Berliner Rede. Hier erzählen 100 Berliner, was ihnen diese Worte bedeuten - und wie sie die Stadt heute erleben. Siemens unterstützt das Tagesspiegel-Projekt. Alle bisher erschienen Videos zu der Serie "Ich bin ein Berliner" finden Sie unter: www.tagesspiegel.de/berliner

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