Ich bin ein BERLINER (58) : „Popcorn an der Clayallee“

Frank G. Heim arbeitet in der US-Botschaft am Pariser Platz. Ein Herzenswunsch - der seine Wurzeln im Zehlendorf der 80er hat. In unserer Serie "Ich bin ein Berliner" erklärt der 48-Jährige, warum.

von und Jan Garcia
Ich bin ein Berliner (58)
Ich bin ein Berliner (58)

Als ich geboren wurde, stand die Mauer schon. Ich bin Berliner, aufgewachsen in Reinickendorf. Ich habe an der Mauer gespielt, oft schauten wir Kinder durch auf die Ostseite, und fragten uns, warum die Stadt geteilt ist. Als ich älter war, lernte ich einen amerikanischen Soldaten kennen, mit dem war ich manchmal unterwegs. Dann gingen wir in ein Kino in der Clayallee.

Alles dort war englischsprachig, mich faszinierte das. Der Ton war original Englisch, es gab Popcorn und am Anfang wurde die amerikanische Nationalhymne gespielt und alle sangen mit. Das war klasse! Nebenan war ein Einkaufszentrum, da gab es einen Buchladen, in dem man englischsprachige Bücher kaufen und mit Dollar bezahlen konnte.

Der Bezug zu den Amerikanern war einfach immer da: Man konnte deren Base besuchen, den Tempelhofer Flughafen, und dort Sport machen oder was essen. Es gab dieses Marine House und den Silverwing Club im Flughafengebäude, am Wochenende feierten dort Amerikaner und Deutsche gemeinsam.

2001, als die Twin Towers angegriffen wurden, begann ich in der amerikanischen Botschaft zu arbeiten. Kollegen von früher sagten noch: 'Da willst du jetzt arbeiten?!' Ich hatte aber keine Angst. Hier anzufangen war ein wichtiger Schritt für mich. Heute arbeite ich wieder in der Clayallee, das Kino von damals ist heute ein Museum. Wenn Amerikaner fragen, was sie hier machen sollen, empfehle ich ihnen Kulinarisches. Beim Essen lernt man sich näher kennen.

Frank G. Heim, 48, aus Zehlendorf: "Die amerikanische Kultur fasziniert mich"
Frank G. Heim, 48, aus Zehlendorf: "Die amerikanische Kultur fasziniert mich"Foto: Garcìa

Vor 50 Jahren - am 26. Juni 1963 - hielt John F. Kennedy seine berühmte Berliner Rede. Hier erzählen 100 Berliner, was ihnen diese Worte bedeuten - und wie sie die Stadt heute erleben. Siemens unterstützt das Tagesspiegel-Projekt. Alle bisher erschienen Videos zu der Serie "Ich bin ein Berliner" finden Sie unter: www.tagesspiegel.de/berliner

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