Berlin : „Ich bin ein Dinosaurier“

Oberstaatsanwalt Fätkinhäuer ist Berlins neuer Korruptionsbeauftragter

Katja Füchsel

Es ist kein Zeichen mangelnder Bescheidenheit, wenn Hans Jürgen Fätkinhäuer verkündet: „Ich bin die Zentralstelle für Korruptionsbekämpfung!“ Es ist nur seine Art zu sagen, dass die neue Büroausstattung eher übersichtlich ausgefallen ist: ohne Vorzimmer, Sekretärin oder Mitarbeiter. Er wird sich also künftig auf die Dienste seines Anrufbeantworters verlassen müssen.

Gelassen schaut der 58-jährige Oberstaatsanwalt in die Runde, während die Justizsenatorin ihn als neuen Berliner Korruptionsbeauftragten vorstellt. Vor 30 Jahren hat der Staatsanwalt begonnen, die organisierte Kriminalität in Berlin zu bekämpfen. Ein ehrgeiziger Ermittler, selbstbewusst und unnachgiebig. Künftig unterliegt Fätkinhäuer als Korruptionsbeauftragter allein der Weisung des Generalstaatsanwalts, der Ankläger wird Hinweisen nachgehen, Dienststellen beraten und Empfehlungen ausarbeiten.

Nur Weniges ist noch unterhaltsamer, als Fätkinhäuer von seinen ersten Berufsjahren erzählen zu lassen. Es ist das Jahr 1976, als der Staatsanwalt seinen Dienst im Kriminalgericht Moabit aufnimmt. „Das Kriminalitäts-Biotop Berlin-West“, sagt Fätkinhäuer dann lachend, „das war echte Folklore.“ Damals, als in den Lokalen rund um den Stuttgarter und Savignyplatz neben käuflicher Liebe so ziemlich alles geboten wurde, was verboten ist – Waffen, Rauschgift, Glücksspiel. Als die Kriminellen sich noch der Schöne Dieter, Pferdemetzger, Twist-Otto oder Johnny mit der Narbe nennen. Ewig her. „Ich bin ein Dinosaurier der Berliner Justiz“, sagt Fätkinhäuer, „ich komme aus dem letzten Jahrtausend.“

Bekannt wird der Staatsanwalt, oft „Mafia-Jäger von Berlin“ genannt, in den 80er Jahren als Chefankläger im Korruptionsverfahren gegen den Baustadtrat Antes. Der Staatsanwalt macht aktenkundig, was Insider schon lange wissen: In der Berliner Baubranche wird mit kriminellen Mitteln gekämpft, und dieser Kampf macht um die Amtsstuben keinen Bogen. Es geht um Korruption, damals schon.

1990, da ist Fätkinhäuer gerade Abteilungschef in Sachen Organisierter Kriminalität geworden, soll der Staatsanwalt offenbar das Opfer eines Mordkomplotts werden. Ein V-Mann erzählt der Polizei, dass sechs Häftlinge der JVA Tegel einen Killer angeheuert haben. An Fätkinhäuer soll ein Exempel statuiert werden. „Offenbar hatte ich den Rauschgifthandel an einer empfindlichen Stelle getroffen“, sagt Fätkinhäuer – und macht unbeirrt weiter.

Er überführt in den nächsten Jahren Dealer, Geldwäscher, Zuhälter und Menschenhändler dutzendweise. Fätkinhäuer meidet das Rampenlicht. Zuweilen kann er es aber nicht verhindern, in die Schlagzeilen zu geraten. Beispielsweise, als er die Ermittlungen gegen Michel Friedman, den ehemaligen Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, leitet. Oder beim Verfahren gegen den geschmierten Schiedsrichter Robert Hoyzer. Eines, sagt Fätkinhäuer, haben alle Fälle gemeinsam: „Ich bin immer mit Herzblut meiner Aufgabe nachgegangen.“

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