Berlin : „Ich bin tief, tief betroffen“

NAME

Seit drei Tagen kann Eveline Bröse kaum noch an etwas anderes denken. „Was in Erfurt passiert ist, geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf“, sagt die 54-jährige Schulsekretärin aus Hohenschönhausen. Immer wieder treibt sie seit der Bluttat die Frage um: „Wie konnte das nur geschehen?“ Um ihre Fassungslosgkeit und ihre Trauer auszudrücken, ist die Mutter eines erwachsenen Sohnes am Sonntag mit ihrem Mann in die Landesvertretung Thüringen in der Mohrenstraße 64 gekommen. „Mein ganz aufrichtiges Beileid“, schreibt sie in das von Kerzen und einem Blumengebinde gesäumte Kondolenzbuch. „Ich bin tief, tief betroffen.“ Dann erzählt sie von aggressiven Kindern an ihrer Schule, die immer weniger Respekt vor anderen Menschen zeigten, keine Manieren mehr hätten und die sich ständig schlimmste Gewaltvideos anschauten. „Bei vielen kümmern sich die Eltern gar nicht mehr darum, was ihre Kinder machen.“ Vor drei Jahren griff an ihrer Schule sogar ein Schüler seine Lehrerin mit dem Messer an und verletzte sie. „Das war ein ganz intelligenter Junge, der zu sehr sich selbst überlassen war, weil die Eltern keine Zeit für ihn hatten“, sagt sie.

Wie sehr der Amoklauf von Erfurt auch andere Berliner erschüttert hat, wurde am Wochenende in der Thüringer Vertretung deutlich. „Was ist nur in unserer Gesellschaft so krank?“, hat der Vater eines jungen Lehrers geschrieben. „Abgrundtiefe Trauer und Mitgefühl mit den Lehrern und Schülern“, empfindet ein früherer Absolvent der Gutenberg-Schule, die Schauplatz des Amoklaufes wurde. Knapp 100 Menschen drückten bis Sonntagnachmittag ihre Betroffenheit aus. Bis zum 3. Mai liegt das Kondolenzbuch aus, die Landesvertretung ist täglich von 9 bis mindestens 18 Uhr geöffnet. lvt

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben