Berlin : „Ich bleibe der ewige Schönfärber“ Horst Pillau wird 80

Die Feier folgt später.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Horst Pillau mailt, er habe einen Computercrash. Horst Pillau ist auf Schreibklausur in seinem Haus bei Schönhagen. Horst Pillau sitzt am Schreibtisch im Bayerischen Viertel, daheim in Schöneberg, wo er seit 1937 lebt. Das mit dem Computer sei ihm ein Rätsel, sagt er. Erst vier Jahre alt das Ding. Inzwischen ist der neue fertig installiert. Horst Pillau ist erleichtert. Er hat Druck, im November kommt sein neues Buch. Von den Geburtstagsvorbereitungen für eine große Party am Sonnabend hat er bis jetzt noch nichts erwähnt. Die gebe es auch nicht, sagt er. Wie, kein Fest zum 80.? „Doch, aber erst im September. Da wird meine Frau 75 und wir feiern zusammen in der Königlichen Gartenakademie.“ Mit drei Kindern, vier Enkeln, den Freunden. Jetzt, wo er im Endspurt seines Buches sei, da passe das nicht. So geht Autorendisziplin á la Horst Pillau.

Nicht verwunderlich also, dass in seinen mehr als 60 Jahren als Schriftsteller einiges zusammengekommen ist: 36 Theaterstücke, 180 Fernsehserienfolgen, 30 Fernsehspiele, elf Romane, rattert er die Statistik runter. Der viel beschworene Pensionstod, also das schnelle Wegsterben im Ruhestand, blühe ihm in Ermangelung eines solchen Gott sei Dank nicht, amüsiert sich Pillau. Die Arbeitswut ist ungebrochen, Schreibblockaden kennt er nicht. Ihm gehe es wie seinen Theaterhelden aus dem 2009 uraufgeführten Stück „Nie wieder arbeiten“, die nach einigen Irrungen und Wirrungen erkennen, dass ihr Glück genau da liegt – in der Arbeit.

Und in der Fliegerei. Dienstag ist der begeisterte Hobbypilot gerade wieder in Schönhagen aufgestiegen. 30 Hebel müsse man vor dem Start betätigen, sagt er, eine ziemliche Konzentrationsübung. Kürzlich hat der in Wien geborene Herzens- und Berufsberliner Pillau bei einem Empfang mit Luftbrückenveteran Gail Halvorsen zusammengesessen. „Der fliegt mit über 90 noch.“ Könnte sein, dass das auch der drahtige Pillau schafft. Ohne Zögern beantwortet er jede Frage. Die Städte, wo gerade Stücke von ihm laufen, hat er blind drauf. Sein Durchbruch mit „Fenster zum Flur“, dem gemeinsam mit Curth Flatow verfassten Volksstückklassiker, mit Inge Meysel als resoluter Berliner Portiersfrau, ist ja auch nur 52 Jahre her.

Was jetzt im November kommt? „Wir lernen ihnen Deutsch“, sagt er. Ein Buch mit Berliner Geschichten Marke Pillau über Beamten-, Politiker- und Kiez- Deutsch. Stoffprobleme kennt er keine. „Einfach nur die Zeitung lesen.“ Die nächsten beiden Romane und Theaterstücke sind fest geplant. Und auch mit seinem Totalversagen als ernster Dramatiker hat der Komödienschreiber Pillau, der eigentlich immer mal eine Tragödie zu Papier bringen wollte, inzwischen seinen Frieden gemacht. „Das wird nichts mehr“, sagt er, „ich bleibe der ewige Schönfärber.“ Das kann bei einem Mann mit seinem Lebensmotto auch gar nicht anders sein. Das hat er als Student in Innsbruck von seinem Onkel Karl übernommen, der ihn immer mit auf wetterwendische Bergtouren nahm. „Schau mal, es wird schon heller“, hat Karl dann angesichts dunkler Wolkengebirge immer zu Horst gesagt. Gunda Bartels

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