Berlin : „Ich hau dir meine Krücke übers Kreuz“

Briefwähler verursachten gestern in den Bürgerämtern tumultartige Szenen

Benjamin Hammer

Als gestern früh um acht Uhr die Bürgerämter in Mitte ihre Türen öffneten, spielten sich tumultartige Szenen ab. Seit gestern können die Bürger die Briefwahl für den Bundestag persönlich im Wahlamt beantragen und auch gleich wählen. Die Resonanz ist groß – offenbar zu groß.

„Ich hau dir meine Krücke übers Kreuz“, zitiert der Wahlamtsleiter von Mitte, Bernd Rogge, einen Wähler, der anderen gegenüber handgreiflich wurde. Vor allem Senioren hätten sich untereinander um einen der Sachbearbeiter für die Stimmabgabe gestritten. So wie in Mitte sah es gestern in vielen Bezirksämtern aus. In Steglitz-Zehlendorf berichteten Anrufer von zwei Stunden Wartezeit.

Voraussichtlich 500000 Berliner wollen die Briefwahl per Post, im Internet oder auch persönlich beantragen. Wer persönlich im Wahlamt erscheint, kann auch gleich seine Stimme abgeben.

Dass so viele Leute persönlich erscheinen, hat neben der direkten Stimmabgabe noch weitere Gründe. Nach Angaben von Heinz Warken vom Wahlamt Steglitz-Zehlendorf sei durch die vorgezogenen Neuwahlen der ganze Zeitplan enger, weshalb es viele Wähler eilig hätten, ihre Stimme abzugeben. „Manche fahren bald in Urlaub und können nicht mehr auf die Wahlunterlagen per Post warten“, so Warken. Manche wollten auch das Porto sparen oder „die ganze Sache einfach hinter sich bringen“. Laut Warken könnten aber auch viele die Wahlbenachrichtigung falsch verstanden haben. Dort stand, dass die Ausgabe der Briefwahlunterlagen „frühestens am 24. August und spätestens am 29. August“ beginnt. „Manche haben das wohl so verstanden, dass sie am 29. August zum letzten Mal wählen können“, so Warken. Gemeint war aber nur der Startschuss für den Prozess der Briefwahl.

„Das nächste Mal machen wir daraus drei Sätze“, sagte die stellvertretende Landeswahlleiterin Ulrike Rockmann auf Nachfrage. Dann gebe es keine Missverständnisse mehr. Durch die vorgezogenen Bundestagswahlen sei alles ein wenig „holterdipolter“ gelaufen. Für Rockmann macht das Verfahren, die Stimme schon jetzt abgeben zu können, trotzdem Sinn: „Durch die Unterstützung der Mitarbeiter in den Wahlämtern können Fehler nicht so leicht passieren.“ So habe es bei der letzten Bundestagswahl 1,5 Prozent ungültige Stimmen bei der Briefwahl gegeben.

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