Berlin : „Ich kann mich nicht daran erinnern“

Bankenskandal: Zeugin bestätigte die Vorwürfe im Prozess nur zum Teil

Kerstin Gehrke

An ihren Besuch in Görlitz konnte sich die Zeugin noch gut erinnern. Mitte der 90er Jahre war das. Sie sah die Plattenbauten auf einer Anhöhe. Man hatte von dort aus einen Blick auf die Altstadt, die gerade saniert wurde. „Die Preise für Wohnungen in der Altstadt waren nicht wesentlich höher als in den Plattenbauten“, sagte die Zeugin. Für die Plattenbauten aber sollte die Berlin Hyp, bei der sie damals als Kreditsachbearbeiterin tätig war, einen großen Kredit gewähren. „Ich war dagegen.“ Aber wenn es um Aubis ging, sei man bei der Bank „ungewöhnlich großzügig“ gewesen.

Die 36-jährige Frau musste gestern im Prozess um den Bankenskandal Rede und Antwort stehen. Sie gilt als Belastungszeugin, sie wird das häufige Kopfschütteln der 13 Angeklagten in ihrem Rücken gespürt haben. Die einstigen Manager der Berlin Hyp, darunter der ehemalige Bankvorstand und CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky, sollen für die Vergabe von unzureichend gesicherten Millionen-Krediten an die Berliner Immobiliengruppe Aubis verantwortlich sein. Die umstrittenen Kredite und eine zeitnahe Barspende der beiden Aubis-Geschäftsführer an die CDU hatten im Jahre 2001 die Bankenkrise ausgelöst.

Für die Beantwortung der wichtigsten Fragen brauchte die Zeugin, die einst bei der Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe erhoben haben soll, viel Zeit. In den Akten steht: Sie sei als Kreditsachbearbeiterin von dem Angeklagten Hans-Dieter K., damals Abteilungsleiter der Berlin Hyp, angewiesen worden, vor einer Innenrevision Akten zum Aubis-Engagement „zu bereinigen, damit nichts Negatives zu finden ist“.

Doch im Gerichtssaal kam die Zeugin S. gestern ins Grübeln. „Ich kann mich nicht daran erinnern“, sagte sie. „Ich weiß nur, dass ich nichts rausgenommen habe.“ Auf Nachfragen des Gerichts sprach sie von der Anweisung, die Akten „durchzusehen, ob sie in Ordnung sind“. Schließlich meinte sie: „Die Akten wurden umgehangen, waren in einem anderen Büro.“ Drei Jahre war die Kreditsachbearbeiterin mit Aubis-Projekten beschäftigt. Nachdem sie die Finanzierung für Görlitz als „zu riskant“ eingeschätzt und den Kreditbeschluss nicht unterschrieben habe, sei sie mit anderen Dingen betraut worden, berichtete sie im Prozess. Am Freitag soll eine weitere Mitarbeiterin der Bank vernommen werden.

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