Berlin : „Ich schaffe das nicht mehr“

Wie ist es, an der Seite eines Alkoholikers zu leben? Susanne Juhnke hat dazu ein Buch geschrieben. Heute kommt es in den Handel. Über ihre Erfahrungen zu sprechen fällt ihr aber immer noch schwer. Bei ARD-Talker Beckmann unterbrach sie das Interview für kurze Zeit

Matthias Oloew

Manchmal bekam sie es mit der Angst zu tun. Etwa, wenn Harald Juhnke im Alkoholrausch nach noch mehr Alkohol verlangte und, nachdem seine Frau sich weigerte, sie anschrie: „Weißt du überhaupt, wer ich bin? … Ich bin Deutschlands größter Schauspieler, weißt du das überhaupt?“ Susanne Juhnke hat das aufgeschrieben. Für ihr Buch „In guten und in schlechten Tagen“ (erschienen im Verlag Droemer, München), das sie zusammen mit der Gesellschaftsreporterin Beate Wedekind verfasste, und das heute in den Handel kommt.

Abrechnung für erlittenes Leid? Geldschneiderei mit dem Schicksal des großen Entertainers? Für Beate Wedekind ist das Buch nichts von beidem, sondern „das Buch des Lebens von Susanne Juhnke“. Ein Erfahrungsbericht darüber, was Demenz mit Menschen macht und wie die Krankheit den Alltag dominiert. Nicht nur den des Erkrankten, sondern auch den der Angehörigen.

Darüber wollte auch Reinhold Beckmann in seiner ARD-Talkshow mit Susanne Juhnke und Beate Wedekind sprechen. Bei der Aufzeichnung der Sendung sei Susanne Juhnke dann „der Kragen geplatzt“, sagt Beate Wedekind. 20 Minuten lang sprach Beckmann mit ihr über die Alkoholexzesse und die Folgen, 20 Minuten hat sie alle Fragen beantwortet. „Ich wollte es konkret geschildert bekommen, was da genau passiert ist, um deutlich zu machen, welche Auswirkungen diese Krankheit hat“, sagte Beckmann dem Tagesspiegel. Plötzlich sprang sie jedoch auf, marschierte aus dem Studio in ihre Garderobe und sagte zu Beate Wedekind: „Ich schaffe das nicht mehr.“ Beckmann saß derweil vor abgeschalteten Kameras und ratlosen Redakteuren und fragte sich : „War es das jetzt?“

In der Garderobe sprach Susanne Juhnke mit ihrem Sohn Oliver und Beate Wedekind. „Im Grunde genommen war es ja eine Situation, die ich in der Zeit, in der ich mit ihr an dem Buch arbeitete, zigmal erlebt habe“, erklärte Wedekind dem Tagesspiegel. „Dann habe ich aufgehört und sprach das gleiche Thema eine Woche später wieder an.“

Bei einer Talk-Sendung geht das natürlich nicht. „Susanne Juhnke war das erste Mal in einer Talk-Show“, sagte Wedekind, und Beckmann: „Sie hatte die Öffentlichkeit bislang nicht gerade gesucht.“ Nach einer Viertelstunde kehrte sie, nach Zureden von Beate Wedekind und ihrem Sohn Oliver, zu Beckmann an der Talk-Tisch zurück. Das Gespräch wurde zu Ende geführt, die Szenen schließlich herausgeschnitten. Die Zuschauer der Sendung heute Abend (ARD, 23 Uhr) werden von dem Zwischenfall nichts bemerken.

Das Buch wird professionell vermarktet. Die Illustrierten „Bunte“ und „Super-Illu“ brachten Vorabdrucke, die „Bild“-Zeitung zitierte auszugsweise, dann die Beckmann-Sendung heute und am kommenden Donnerstag schließlich die offizielle Präsentation in Berlin.

Die Bestellungen für das Buch liefen sehr gut, sagt Beate Wedekind, die Susanne Juhnke vor jeder Kritik in Schutz nimmt: „Wer ihr vorwirft, sie nutze einen hilflosen Menschen aus, wird das nicht mehr sagen, wenn er das Buch gelesen hat.“ Dass Susanne Juhnke dafür ein gutes Honorar bekommt, hält die Co-Autorin ebenfalls für mehr als legitim: „Erstens: Jeder Autor bekommt ein angemessenes Honorar. Zweitens: Sie musste ihren Mann, den ehemaligen Ernährer der Familie, in einem Heim unterbringen.“ Damit entstanden hohe Kosten, die zu decken sind. Die Krankheit des 74-jährigen Harald Juhnke ist im Wesentlichen durch seinen Alkoholismus hervorgerufen worden. Heute lebt der ehemalige Schauspieler und Sänger in einem Pflegeheim in der Nähe von Berlin.

Parallel zur Veröffentlichung ihres Buches ist Susanne Juhnke Sonderbotschafterin des Roten Kreuzes für die Altenhilfe geworden. Wie das DRK mitteilte, verstehe Susanne Juhnke ihr Engagement auch als Beitrag, um über die Krankheit von dementen Menschen aufzuklären. Susanne Juhnke zeigt sich in der jüngsten Vergangenheit öfter in der Öffentlichkeit – zuletzt an der Seite von ihrem Friseur Udo Walz bei der „Innocence-in-danger“-Gala im Deutschen Historischen Museum am vergangenen Freitagabend.

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