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"Ich war nur noch genervt" : Wie Fluggäste die technischen Störungen am Berliner Flughafen Tegel aufnahmen

Die meisten Passagiere reagieren auf die Störungen am Flughafen Tegel gelassen, einige wenige regen sich lauthals auf. Und einige starten nun viel später in den Urlaub. Erst am Nachmittag entspannte sich die Situation.

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Warten auf Informationen. Die Wartehallen am Flughafen Tegel füllten sich am Freitag.
Warten auf Informationen. Die Wartehallen am Flughafen Tegel füllten sich am Freitag.Foto: Mike Wolff

Sie versuchten, das Problem wegzulächeln. „Was bleibt uns auch anderes übrig“, sagte Dagmar Markstein, als sie und ihr Mann ihre Koffer wieder gen Ausgang rollten. Drei Stunden hatten die Marksteins zuvor am Schalter von Air France und KLM im Flughafen Tegel verbracht, weil es mit ihrem Flug einfach nicht losgehen sollte. Über Amsterdam sollte es zum Urlaub nach Mexiko gehen. Doch daraus wurde erst mal nichts. Dagmar und Uwe Markstein gehörten am Freitagmorgen zu den Passagieren, die von den Störungen am schlimmsten betroffen waren.

Eine Computerpanne im Verkehrsleitsystem der Deutschen Flugsicherung (DFS) hatte gestern früh am Flughafen Tegel das Chaos ausgelöst. Seit 6 Uhr hatten sich die Starts und Landungen der meisten Flüge um etwa eineinhalb bis zwei Stunden verzögert.

Neun Flugpaare von und nach Berlin wurden gestrichen, andere Flüge verspäteten sich um bis zu zweieinhalb Stunden. Betroffen waren Tausende von Passagiere, viele erreichten ihre Anschlussflüge an Umsteige-Flughäfen nicht mehr. Erst am späten Nachmittag lagen die Flüge wieder im Zeitplan.

Urlaub mit Verspätung. Dagmar und Uwe Markstein können erst einen Tag später als geplant fliegen.
Urlaub mit Verspätung. Dagmar und Uwe Markstein können erst einen Tag später als geplant fliegen.Foto: Mike Wolff

Um bei dem starken Verkehrsaufkommen das nötige Tempo zu gewährleisten, tauschen die Fluglotsen im Tegeler Tower die Daten über an- und abfliegende Maschinen mit den anderen Flugsicherungsstellen elektronisch aus. Das entsprechende Flugdatenverarbeitungsprogramm heißt Tower Flight Data Processing System und wird unter Kollegen schlicht TFDPS genannt. Als in der Nacht zum Freitag das letzte Flugzeug in Tegel gelandet war, wollten DFS-Techniker ein Update einspielen. Doch ausgerechnet im Kontrollturm wurde der Albtraum jedes Computerbesitzers wahr. Der Rechner „schluckte“ die neue Software nur zum Teil. Damit ließ sich auch das alte Programm nicht mehr starten und musste neu installiert werden. Das war bis zum Ende des Nachtflugverbots nicht zu schaffen.

Ein Software-Update hat das Verkehrsleitsystem des Flughafen Tegel lahm gelegt.
Ein Software-Update hat das Verkehrsleitsystem des Flughafen Tegel lahm gelegt.Foto: dpa

Als um sechs Uhr früh der Flugbetrieb wieder begann, konnten die ersten Maschinen noch pünktlich starten und landen. Mit der Frühspitze gab es dann nach sieben Uhr die ersten Verspätungen. Denn die Lotsen mussten ohne ihre Datenleitungen auskommen und alle Informationen per Funk oder Telefon austauschen. Deshalb wurde die Kapazität des Flughafens auf 26 Flugbewegungen pro Stunde reduziert, in der Regel sind es 35, sagte DFS-Sprecher Stefan Jaekel.

Zusätzliche Probleme gab es, weil die Anzeigetafeln in den Tegeler Terminals die Verspätungen nicht anzeigten. Laut Flughafensprecher Leif Erichsen lag das ebenfalls an dem Computerproblem der DFS, von der man die Daten übernehme. Daraufhin wurden die Reisenden über Lautsprecherdurchsagen auf dem Laufenden gehalten und das Personal an den Infoschaltern verstärkt. Betreuer verteilten Getränke an Wartende.

Erst nach mehr als fünf Stunden hatte die Deutsche Flugsicherung das Problem behoben und ihr System wieder zum Laufen gebracht. Eine Gefahr für die Sicherheit der Passagiere habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, betonte DFS-Sprecher Jaekel.

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