Berlin : „Ich war überhaupt nicht aufgeregt“

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War es ein interessanter Abend im Literatur-Café Tucher am Pariser Platz mit George W. Bush und Gerhard Schröder?

Es war ein sehr angenehmes Gespräch in sehr privater Atmosphäre zu viert an einem kleinen runden Tisch, der amerikanische Botschafter war auch dabei. Mich hat das Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem Bundeskanzler beeindruckt, zwischen zwei Staatsmännern, die sich gut verstehen und vor allem großes Vertrauen zueinander haben.

Und Ihre Rolle, Herr Wowereit?

Wir haben uns angeregt unterhalten, teils in Englisch, teils in Deutsch. Der Kanzler musste mich gar nicht vorstellen, der Präsident hat mich gleich mit Mister Mayor angeredet. Natürlich habe ich mich, wo es bei außenpolitischen Themen nötig war, zurückgehalten. Wir haben auch über Berlin gesprochen und über Privates.

Über Privates?

Ja, es war doch kein Protokoll- und kein Arbeitstermin. Aber das Private bleibt privat. Wir saßen übrigens früher und länger zusammen als geplant, ungefähr anderthalb Stunden.

Wissen Sie noch, was Sie gegessen haben, oder waren Sie zu aufgeregt?

Ich war überhaupt nicht aufgeregt, schon gar nicht in dieser ungezwungenen Atmosphäre. Es war auch kein Abendessen, sondern ein zwangloser Imbiss. Also ich habe mich dem amerikanischen Präsidenten angeschlossen und Apfelstrudel gegessen, Kaffee und Wasser getrunken.

Und der Kanzler?

Der Kanzler aß eine Currywurst.

Was gefällt Ihnen an George W. Bush?

Er hat klare politische Vorstellungen und verfolgt seine Ziele geradlinig. Das gefällt mir, ich schätze klare Positionen. Und mir gefällt auch, dass er Humor hat.

Was haben Sie über das Wohl und Wehe Berlins gesprochen?

Der Präsident ist sehr gut informiert über Berlin, auch über die Verschuldung und die Haushaltsnöte. Wir haben lange über das Zusammenwachsen der beiden Teile der Stadt geredet. Ihn interessierte sehr, ob es noch unterschiedliche Denkweisen gibt. Über die Perspektiven unser spannenden Stadt hat er sich optimistisch geäußert.

Waren auch die Demonstrationen gegen die amerikanische Politik ein Thema?

Für ihn ist klar, dass Demonstrationen bei Auslandsbesuchen dazugehören, aber auch, dass sie nicht das Bild von Berlin bestimmen. Er zeigte sich sehr beeindruckt, dass ihm so viele Berliner auf dem Weg vom Flughafen Tegel zum Pariser Platz einen freundlichen Gruß zugewinkt haben.

War es Ihnen peinlich, dass Sie zunächst während seines Berlin-Besuches schon in Australien sein wollten?

Nein , es war mir weder peinlich, noch haben wir darüber gesprochen. Anders als in Berlin gibt es darüber bei den Amerikanern keine Aufgeregtheit. Ich hatte ja auch vorher mit dem amerikanischen Botschafter darüber geredet. Gru

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