Berlin : „Ich wollte bei Olympia siegen“

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Für Horst Bosetzky war seine Abi-Zeit eine „unglückliche Zeit.“ All seine Schulzeitträume waren „da“ – 1957 – „schon ausgeträumt.“ Der Traum vom Olympiasieger über 100 Meter zum Beispiel. Oder der vom Sportlehrer. „Das konnte ich nicht werden.“ Denn da war dieses verflixte Turnen. „Davon habe ich heute noch die Narben an den Schienbeinen“, erzählt der Krimiautor und Soziologieprofessor. Das Medizinstudium schied aus („ich konnte kein Blut sehen“), genauso wie ein Leben als Aussteiger: „Meine Eltern waren beide Beamte. Das ging nicht“, erklärt der 64-Jährige. Ja, der Traum, „Schriftsteller zu sein, dicke Bücher zu schreiben“, der schwirrte ihm schon damals im Kopf herum. Seit er 16 war, hatte er Kurzgeschichten geschrieben. Aber davon leben zu können, sei ihm als „Hirngespinst“ erschienen. Wie ein „Verlierer“ habe er sich gefühlt gegenüber den anderen, die schon wussten, dass sie studieren würden. „Die trugen die Nase schon ein bisschen höher“, erinnert sich Bosetzky. Für ihn, den „Underdog“, kam ein Studium zunächst nicht in Frage. Er habe zwar damals schon den „diffusen Traum“ gehabt, „in höhere berufliche Sphären aufzusteigen, Akademiker zu werden.“ Doch studieren – das ging erst mal nicht. Die Zusage für einen Ausbildungsplatz zum Industriekaufmann hatte er beim Abitur schon seit über einem halben Jahr in der Tasche. Und so musste er erst drei Jahre bei Siemens „durchstehen“, bis es 1960 zum Soziologie-, BWL- und Psychologiestudium an die FU ging. Elf Jahre später dann der erste Roman unter dem Pseudonym „-ky“: Der mit 19 Jahren erlebte Traum vom Schriftstellerdasein hatte sich erfüllt.

Aufgezeichnet von Viola Volland

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