Berlin : „Ich wollte Journalistin werden“

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„Ne, is’ nicht“, hatte Mutter Klotz 1969 zum Moped gesagt. Damals war Sibyll 16 Jahre alt. Mit 18 Jahren, nach dem Abitur, brauchte sie das Amen der Mutter nicht mehr. Und so erfüllte sie sich ihren damals „heißesten Wunsch“ und kaufte sich kein Moped, sondern gleich ein Motorrad: eine blaue 150er MZ. Jedenfalls passte das Motorrad zu ihrem Freiheitsdrang. „Ich war damals schwer im Abnabelungsprozess begriffen. Kurz nach dem Abi bin ich schon ausgezogen“, erzählt die Landesvorsitzende der Grünen. Journalistin wollte sie werden. Die beiden früheren Träume, Eisverkäuferin und Innenarchitektin, waren aus dem Rennen. Der Journalismus versprach die große weite Welt. Es sollte auch gleich die Auslandskorrespondenz sein: USA, Paris, Brüssel – Sibyll Klotz wollte mit 18 die Orte sehen, die ihr als DDR-Bürgerin versperrt waren. „Wenn man mich damals gefragt hätte, was willste werden? Ich glaube, auf Politikerin wäre ich nicht gekommen“, sagt die Berlinerin. „Auf eigenen Füßen stehen, einen Beruf haben, der auch Spaß macht, das wollte ich damals.“ Dafür ist sie an die Universität gegangen, hat angefangen, Philosophie zu studieren. „Und dann kam alles anders.“ Erst die Tochter, dann die Wende und mit ihr die Politik – der Journalismus war Geschichte. Schlimm findet das Klotz aber nicht: „Etliches von dem, was ich mir gewünscht habe, ist auch in Erfüllung gegangen“, ist sie zufrieden mit ihrem Werdegang. Und das Motorrad? Das ist längst verschrottet.

Aufgezeichnet von Viola Volland

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