Berlin : „Ich wollte schon immer Lehrerin werden“

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„Realitätsbezogene Träume“ waren es, die die Abiturientin Hanna-Renate Laurien 1946 antrieben, alles ganz besonders schnell zu machen. Auch wenn sie nach dem Arbeitsdienst „selig“ war, wieder lernen zu können, wollte sie die Schule doch so schnell wie möglich hinter sich bringen. „Wir hatten das Ziel, fertig zu werden, nicht wegzugehen“, erklärt die ehemalige Berliner Schulsenatorin. Sie wollte studieren. Ihrem großen Traum, Lehrerin zu werden, näher kommen. In nur drei Monaten machte sie am so genannten Heimkehrer-Lehrgang an der Königin-Luise-Stiftung in Berlin ihr Abitur. Eigentlich schwebte der literaturbegeisterten Hanna-Renate Laurien ein Germanistikstudium vor – an der Berliner Universität, wie die Humboldt-Universität damals hieß. Aber sie wurde abgewiesen. „Das waren strenge Regeln, dass man weltanschaulich passte. Ich bin dann durch Zufall für Russisch und Anglistik zugelassen worden.“ Der Anfang des heiß ersehnten Studiums war für die 18-Jährige auch mit Enttäuschung verbunden. Hanna-Renate Laurien litt unter der „verhängten Unfreiheit“ an der Berliner Universität des Nachkriegs-Berlins. Sie wollte ihren Gedanken freien Lauf lassen. „Wir haben, und gegen dieses Beschneiden der Träume gewehrt“, sagt die ehemalige Berliner Parlamentspräsidentin. „Deshalb haben wir die Freie Universität gegründet.“ Ab 1948 studierte sie dort Germanistik, Anglistik und Philosophie. Ihr großes Ziel war von vornherein zu promovieren – und zwar schneller als der Vater. „Das habe ich nicht geschafft.“ Um drei Wochen habe der sie geschlagen. Ihrem Traum vom Lehrberuf ist sie darüber treu geblieben: Fast 20 Jahre arbeitete Frau Laurien ab 1951 im Schuldienst. „Geistige Landschaft zu vermitteln, das fasziniert mich noch heute. Ich würde wieder Lehrerin werden“, sagt die 74-Jährige.

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