Berlin : „Ich würde wieder so entscheiden“

Ulrich Misgeld über seinen Prozess

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Herr Misgeld, haben Sie mit einem Freispruch gerechnet?

Ja, von Anfang an. Ich war mir immer sicher, dass ich das, was ich getan habe, auch guten Gewissens tun konnte.

Warum dann der Prozess? Vermuten Sie eine Absicht dahinter?

Dafür gibt es keine Belege, aber nach meinem Geschmack hat der damalige Staatsanwalt nicht fair und nach beiden Seiten ermittelt. Der wollte das Verfahren auf jeden Fall durchziehen.

Würden Sie heute dieselben Entscheidungen fällen?

Ich würde wieder so entscheiden. Ich sehe absolut keinen Fehler bei mir. Es stand ja auch nicht das Kreditgeschäft der Berliner Volksbank zur Disposition. Niemand wollte doch die Anleger täuschen.

Aber immerhin haben viele Anleger viel Geld verloren. Was sagen Sie denen heute?

Am Anfang gab es doch keine Vorwürfe der Anleger. Es gab die Theorie des Staatsanwaltes, der sich dann einige Anleger angeschlossen haben. Denn natürlich sucht doch jeder, der Geld verliert, nach einem Schuldigen, der ihm den Schaden nach Möglichkeit ersetzt. Diese Anleger sind nicht die Einzigen, die am Immobilienmarkt Geld verloren haben.

Also ein ganz normales Risiko?

Immerhin hat der Richter festgestellt, dass man die Anleger mit steuerlichen Vorteilen geworben hat. Es war von Verlustzuweisungen von 187 Prozent die Rede. Der Richter hat auch festgestellt, dass damit auch hohe Risiken verbunden sind.

Fühlen Sie sich nun voll rehabilitiert?

Soweit das durch ein Gerichtsverfahren möglich ist – ja. Dass man auch mit einem Freispruch die fünf quälenden Jahre nicht auslöschen kann, steht auf einem anderen Blatt .

Es bleibt nichts haften?

An der Person Misgeld ist schon während des Verfahrens nichts haften geblieben. Ich habe eine wirklich fantastische Solidarität durch Freunde, Bekannte und Geschäftspartner erfahren.

Wollen Sie jetzt wieder zurück ins Bankgeschäft?

Ich bin seit meinem Ausscheiden bei der Volksbank Finanzvorstand bei dem Berliner Unternehmen Semperlux, und ich fühle mich dort sehr wohl. Ich war 32 Jahre im Bankgeschäft, ein Wechsel war nicht schlecht.

Was machen Sie mit der Haftentschädigung?

Das dürften nach meiner Rechnung etwa 70 Euro sein. Davon kaufe ich eine Flasche Champagner, für heute Abend.

Das Gespräch führte Daniel RheePiening.

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