ICH BIN DABEI : ICH BIN DABEI

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ZURÜCK ZUM SUBBOTNIK

Andrej Hermlin wohnt heute in dem Haus, in das er „hineingeboren“ wurde, in Pankow. Er liebt das Grün in seinem Stadtteil, die etwas abgelegene Schönholzer Heide, den zentralen Bürgerpark. Der habe sich in den letzten 15 Jahren „ungeheuer rausgemacht“, sagt Hermlin. Er ist sauberer, die Wege sind besser, es gibt ein Café. Der Bandleader kommt gerade aus Nairobi zurück, seine Frau ist Kenianerin. Da fallen ihm die Vorzüge Berlins besonders auf: Die Stadt erscheint ihm gepflegt, die Häuser sind gestrichen, die Straßen in besserer Verfassung als in der Heimat seiner Frau, es gibt Laternen. Auf der anderen Seite dürfe man Berlin aber auch nicht mit riesigen Metropolen wie etwa Singapur vergleichen. Was Hermlin an seiner Heimatstadt wirklich stört, ist die chaotische Bauplanung. „Die Sanierung der Berliner Straße in Pankow ging über Jahre, in dieser Zeit wurde in Kenia eine sechsspurige Autobahn über 50 Kilometer gebaut.“ Andrej Hermlin ist in der DDR aufgewachsen. Dort gab es einen Putztag, den Subbotnik, an dem Anwohner sich um ihren Wohnort kümmerten. „Vielleicht sollte man den wieder einführen“, überlegt er. Grundsätzlich findet er, könnten Anwohner sich ruhig um ihre Umgebung kümmern. „Schließlich wohne ich hier und nicht der Hausverwalter.“ Manchmal hat Hermlin ein schlechtes Gewissen, wenn sich die Nachbarn am Wochenende wieder um das Unkraut an der Straße kümmern und er keine Zeit dafür hat. Fürs nächste Mal nimmt er sich vor mitzumachen. An der Schule seiner Tochter gab es zu Beginn des Schuljahres ebenfalls eine gemeinsame Aufräumaktion. Die Sanierungsarbeiten waren während der Ferien nicht komplett abgeschlossen worden. Er war nicht dabei, findet die Idee aber gut. „Da sind Eltern, Lehrer und Schüler zusammengerückt. Das stärkt den Gemeinschaftssinn.“

„Jeder sollte auf seine Weise leben können. Es darf

kein Reglement geben, wie eine Straße auszusehen hat – ob nun in Zehlendorf

oder in Neukölln“

– Andrej Hermin

Pianist

und Bandleader

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