• "Identitären"- und Kurden-Demos in Wedding und Moabit: 19 verletzte Polizisten und 112 Festnahmen am Sonnabend

"Identitären"- und Kurden-Demos in Wedding und Moabit : 19 verletzte Polizisten und 112 Festnahmen am Sonnabend

Bei einer pro-kurdischen und einer Demonstration der "Identitären Bewegung" kam es am Samstag zu teils heftigen Ausschreitungen.

Menschen sitzen auf der Straße und verhindern so den Weiterzug der «Identitären Bewegung».
Menschen sitzen auf der Straße und verhindern so den Weiterzug der «Identitären Bewegung».Foto: dpa

Insgesamt 19 Polizisten wurden am Sonnabend bei zwei Demonstrationen in Moabit und Gesundbrunnen verletzt. Gleichzeitig nahmen Beamte 112 Personen fest - das sind fast 40 mehr als bei der Demo am 1- Mai. Die erste Demo fand unter dem Motto „ gegen Geschichtsrevisionismus und neurechte Ideologien“ statt. Laut Polizeiangaben versammelten sich gegen 12.15 Uhr mehrere hundert Teilnehmer zu einem Aufzug am Leopoldplatz, um gegen eine in den Mittagsstunden angemeldete Versammlung der „Identitären Bewegung“ in Gesundbrunnen zu demonstrieren. Gegen 13.40 Uhr liefen die Teilnehmer durch den Stadtteil Wedding zur Bernauer Straße in Gesundbrunnen.

Schon während des Demonstrationsverlaufs hätten die Teilnehmer versucht, die Wegstrecke der Versammlung „Gedenkveranstaltung 17.06. & Protest gegen aktuelle Regierungspolitik“ der „Identitären“ zu erreichen, die ab 14.30 Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen begann. Auch hier fanden sich mehrere hundert Teilnehmer ein, um durch den Stadtteil Gesundbrunnen den Hauptbahnhof in Tiergarten zu erreichen, wie die Polizei mitteilte.

Identitäre müssen Demo abbrechen

Da mehrere Protestler die Wegstrecke der Demonstration in der Brunnenstraße Ecke Stralsunder Straße blockierten, indem sie sich auf die Fahrbahn setzten, hielt der Aufzug gegen 15 Uhr am U-Bahnhof Voltastraße. Die Polizei gab an, mehrmals vergeblich dazu aufgefordert zu haben, die Fahrbahn zu verlassen und sich zu dem vorgeschlagenen Kundgebungsort Brunnenstraße Ecke Bernauer Straße zu begeben. Danach hätten Beamte einige der auf der Straße sitzenden Personen von der Fahrbahn getragen und u.a. Strafermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet.

Die "Identitäre Bewegung" bei ihrer Demonstration am 17.06.
Die "Identitäre Bewegung" bei ihrer Demonstration am 17.06.Foto: Reuters

Aufzugsgegner versuchten immer wieder rund um die Brunnenstraße die Absperrungen der Polizei zu durchbrechen, woraufhin die Beamten die Personen abdrängten und teilweise Pfefferspray einsetzten. Kurz vor 17 Uhr beendeten die „Identitären“ ihre Demonstration am U-Bahnhof Voltastraße, woraufhin die Teilnehmer wenig später geschlossen zum U-Bahnhof Gesundbrunnen liefen, um den Veranstaltungsort mit der S-Bahn zu verlassen. Auch hier mussten Dienstkräfte der Polizei Berlin immer wieder einschreiten, um zu verhindern, dass die ehemaligen Demonstranten aufeinander losgingen.

Pro-kurdische Demo eskaliert

Eine pro-kurdische Demonstration wurde zu 12 Uhr mit dem Thema „Solidarität mit Rojava und Shengal“ in Moabit angemeldet. Bereits vor Beginn hatten Polizisten 18 Fahnen sichergestellt. Nach einer Auftaktkundgebung liefen nach Polizeiangaben gegen 13.45 Uhr knapp 300 Demonstranten über die angemeldete Demonstrationsstrecke zur Straße Alt-Moabit Ecke Turmstraße. Dort hielt der Aufzug gegen 14.15 Uhr an, da immer wieder verbotene kurdische Vereinssymbole gezeigt und über den Lautsprecherwagen Lieder mit verbotenen Texten abgespielt worden seien, wie die Polizei mitteilte. In der Rathenower Straße hätten mehrere Passanten den sogenannten „Wolfsgruß“ in Richtung der Aufzugsteilnehmer gezeigt, woraufhin ein Stein und eine Flasche aus dem Aufzug geworfen worden sei, die jedoch niemanden trafen.

Auch in der Perleberger Straße warfen Aufzugsteilnehmer laut Polizei Steine in Richtung von Personen von denen sie sich verbal provoziert fühlten. Polizisten schritten ein, um ein Aufeinandertreffen der Konfliktparteien zu verhindern. Unmittelbar nach Beendigung des Aufzuges gegen 16.30 Uhr am U-Bahnhof Schwarzkopffstraße nahmen die Einsatzbeamten wiedererkannte Straftäter fest und gaben an, hier von ehemaligen Demonstrationsteilnehmern, mit Fahnenstangen, Faustschlägen und Tritten, teilweise direkt gegen den Kopf, attackiert worden zu sein. Die Beamten setzten sich unter Einsatz von körperlicher Gewalt, des Rettungsmehrzweckstocks und Pfeffersprays zur Wehr und drängten die Angreifer zurück oder nahmen sie fest.

Teilnehmer der pro-kurdischen Demonstration beklagten sich derweil nach der Demonstration über Polizeigewalt. Mit einem Twitter-Video wollen sie belegen, dass die eingesetzte Gewalt durch die Polizei ungerechtfertigt und übertrieben gewesen sei.

Auf dem Video ist zu sehen, wie ein Polizist einem Teilnehmer der Demo gegen den Kopf schlägt. Der Mann fällt daraufhin blutend um. Bei den Demonstrationen wurden insgesamt 112 Personen festgenommen. Die Beamten leiteten 74 Strafermittlungsverfahren u. a. wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, schweren Landfriedensbruchs, Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Nötigung, Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, versuchter Gefangenenbefreiung und Verstößen gegen das Versammlungs- , Vereins- und Waffengesetz ein. 

Die Polizei Berlin war mit knapp 1.000 Beamtinnen und Beamten eingesetzt, unterstützt von Polizisten aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg. (TSP)

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