Berlin : Idylle in Zeiten des Sparzwangs

Braucht Marzahn noch mehr Exotik? Zur Taufe des japanischen Gartens wird ein weiteres Projekt in Frage gestellt

Steffi Bey

Exotische Pflanzen inmitten der Platte: Die Grün Berlin GmbH hat den Ehrgeiz, die Gartenkultur der Welt in ihrer vollen Pracht und Blüte zu zeigen – und zwar in den Hochhaussiedlungen von Marzahn. Den chinesischen Garten gibt es im Erholungspark Marzahn schon seit drei Jahren. Der neue japanische Garten soll zur Kirschblüte im Mai eröffnet werden. Ein islamischer Garten ist in Planung. Doch jetzt kam Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) ins Grübeln. Er fragt seinen Senatskollegen Harald Wolf (PDS), „ob diese Ausgaben in Zeiten des Sparzwangs nötig sind“.

Der Wirtschaftssenator hat öffentliche Fördergelder in Höhe von 4,4 Millionen Euro für den islamischen Park bereits bewilligt. Sie werden jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Land aufgebracht. Der Japanische Garten kommt den Steuerzahler etwas günstiger. Die rund zwei Millionen teure Anlage wurde zu 80 Prozent von der Senatsverwaltung für Wirtschaft gleichfalls zur Hälfte aus Bundes- und Landesmitteln „zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ gefördert. Außerdem gab es private Spender. Wie kann ein Garten die regionale Wirtschaftsstruktur verbessern? Er soll Touristen in die östlichen Außenbezirk locken. Und die sollen dort konsumieren und den Namen Marzahns nach ganz Deutschland und in die Welt hinaustragen. Der chinesische Garten zählte im vergangenen Jahr 300 000 Besucher. Zehn Prozent waren Touristen.

Gestern gab es im japanischen Garten einen ersten Rundgang. Das Gelände an der Eisenacher Straße lässt sich nicht auf einen Blick überschauen, sondern ist in kleine Parzellen unterteilt. Im Vergleich zum chinesischen Garten beansprucht er viel weniger Platz. Mit seinen 2700 Quadratmetern ist er nur etwa ein Zehntel so groß. Seit gestern hat „dieses wunderschöne Stück Japan“, wie Bürgermeister Uwe Klett (PDS) sagte, einen Namen: „Yuu Sui En – Garten des zusammenfließenden Wassers“ taufte Klett die Anlage.

Seit Herbst 2001 wird an der Landschaft gearbeitet. Nach den Entwürfen des Zen-Priesters Shunmyo Masuno entstanden Hügel, verschlungene Pfade, ein Pavillon aus Zedernholz und eine Pagode am Eingang. Etwa 9700 Stauden und Gehölze wurden in die Erde gebracht. Außerdem gibt es rund 20 Gehölze, zu denen die Kupferfelsenbirne, Hartriegel und Ahorn gehören. „80 japanische Zierkirschbäume werden das Gelände zur Eröffnung im Frühjahr in ein Blütenmeer verwandeln“, sagt Christoph Lang, Pressesprecher der Senatswirtschaftsverwaltung.

Noch bleibt allerdings das hölzerne Tor für Besucher verschlossen, Handwerker und Gartenbauer haben das Sagen. Im offenen Pavillon, der aus einer Zedernholzüberdachung besteht und von schmalen Säulen gehalten wird, sind Teezeremonien geplant. Mehrere Bänke sollen zum besinnlichen Sitzen und vielleicht auch Meditieren einladen. Für Ikuta Chiaki vom Japanisch-Deutschen Zentrum ist das der beste Platz im Garten. Von dort aus hat man einen Weitblick auf den Hügel, den Wasserfall, die Pflanzen und Steine.

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