Ifa : In der Holzklasse

Auf der Ifa Besucher entdeckten Besucher mitunter Unerwartetes: traditionelles Handwerk, Kindheitserinnerungen und Schmuck.

Anne-Sophie Lang
Foto: ullstein bild - Teutopress

Mit Technik hat Daria Buda eigentlich gar nicht viel am Hut – die 21-Jährige aus der polnischen Stadt Opalenica studiert Ökonomie. Aber weil ihr Vater vor ein paar Jahren diese Idee mit den Laptops hatte, steht die junge Frau jetzt mit ihrem Bruder Lukasz in Halle 12 der Ifa zwischen Regalen voller handgearbeiteter Laptop-Tische und beantwortet geduldig Fragen.

Die hölzernen Tischchen fallen auf zwischen spiegelnden Monitoren und grellbunten iPhone-Schalen. Sie erinnern an Frühstück im Bett, und dafür könne man sie auch ruhig benutzen, erklärt Daria. Aber eben auch zum Arbeiten, damit der Laptop nicht überhitzt. Eigentlich stellt das Unternehmen ihres Vaters Tisch- und Stuhlbeine für Ikea her; den ersten Laptop-Tisch bastelte Daria Budas Vater eher zum Spaß, damit seine Tochter den Computer nicht mehr auf den Knien balancieren musste.

Der Stand auf der Ifa, sagt Daria Buda, lohne sich in jedem Fall, sie habe schon zahlreiche Bestellungen notieren können. „Das finde ich richtig gut, dass da mal jemand drauf gekommen ist“, sagt ein Besucher aus Osnabrück. „Endlich mal was Sinnvolles.“ Zwischen so viel Plastik und Kunststoff, das auf der Ifa dominiert, wirkten solche simplen Holztische geradezu entspannend, meint er. „Das bringt ein bisschen Ruhe rein.“

So viel Technik-Innovationen die Ifa auch bieten mag – bei ihren Besuchern scheint auch gut anzukommen, was auf der Funkausstellung kaum jemand erwartet: Altbekanntes. „Ich glaube, das ganze 3D überfordert viele“, mutmaßt Julia Penner. Die junge Frau backt am Stand eines Elektrogeräteherstellers für die Besucher herzförmige Waffeln am Stiel. Um ihr Waffeleisen hat sich eine Menschentraube gebildet.

„Meine Oma hat früher immer auf dem Herd Waffeln gebacken“, erzählt eine ältere Dame, „ganz große“. So sei das oft, sagt Julia Penner: Die Waffeln erinnerten offenbar viele Leute an ihre Kindheit, ältere Herren bekämen an ihrem Stand leuchtende Augen. „Das ist mal echtes 3D“, sagt ein Besucher und beißt genussvoll in ein Exemplar. „Irgendwie beruhigend, dass es hier auch noch so was ganz Normales gibt“, findet die ältere Dame mit der Oma. Kindheitserinnerungen hätte sie auf der Ifa als Letztes erwartet.

Ähnlich geht es einem tütenbehangenen Passanten in Halle 9, als er den Stand der Bundeswehr bemerkt: „Was machen die denn hier?“ Die Antwort des jungen Soldaten liegt nahe: Öffentlichkeitsarbeit.

Auch Françoise Jarliers Stand ist so einer, der auf den ersten Blick nicht unbedingt auf die Funkausstellung passen will. Die junge Französin verkauft Schmuck. In ihrer Vitrine funkeln rosenförmige Kettenanhänger und silberne Armbänder. „Die Leute sind immer neugierig: Warum Schmuck auf der Ifa?“, sagt sie und lacht. Des Rätsels Lösung: Schiebt Jarlier einen kleinen Riegel auf der Rückseite der silbernen Rose vor, ploppt ein USB-Stick hervor. Nicht wirklich spektakuläre Technik – aber wie Daria Buda hört auch Jarlier oft: „Das ist doch mal was Sinnvolles.“

Mit einem ganz ähnlichen Satz preist auch der junge Mann vom Bundeswehrstand seine Lieblingsstücke auf der Ifa an: die Defibrillatoren ein paar Stände weiter, die – wenn vorhanden – im Ernstfall Leben retten können.

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