• Igor Pikus: Nachgefragt bei Senatorin Schöttler: Warum wurde die Flucht zwei Tage verschwiegen?

Berlin : Igor Pikus: Nachgefragt bei Senatorin Schöttler: Warum wurde die Flucht zwei Tage verschwiegen?

Igor Pikus ist am Sonntag ausgebrochen. Wann haben

Gabriele Schöttler ist Senatorin für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Frauen sowie Mitglied der SPD-Fraktion. Mit ihr sprach Brigitte Grunert. im Abgeordnetenhaus.

Igor Pikus ist am Sonntag ausgebrochen. Wann haben Sie davon erfahren?

Ich habe es am Montag um 11 Uhr 40 erfahren. Unmittelbar danach habe ich mich vor Ort über den Vorgang informiert und festgestellt, dass alle nötigen Schritte vom Krankenhaus eingeleitet wurden. Die Polizei wurde sofort von der Klinik informiert, Sonntagabend gegen 23 Uhr war sie vor Ort.

Warum haben Sie die Öffentlichkeit erst am Dienstag informiert?

Es bestand nach dem Täterprofil und nach Einschätzung der behandelnden Ärzte und der Kripo keine aktuelle Gefahr für die Allgmeinheit. Über die öffentliche Fahndung entscheidet die Polizei in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft.

Was veranlasst Sie zu der Äußerung, der Mann sei ungefährlich, obwohl ihn die Polizei als gefährlich einstuft?

Ich rede nicht von Ungefährlichkeit, sondern davon, dass der Ausgebrochene keine unmittelbare Gefahr für die Allgmeinheit ist. Er ist kein Triebtäter, sondern ein Krimineller, der im Wesentlichen Eigentumsdelikte begangen hat. Die schlimme Vergewaltigung war ein Racheakt. Aggressive Verhaltensstörungen hat er in den letzten fünf Jahren nicht erkennen lassen. Er sollte ja auch in eine Justizvollzugsanstalt verlegt werden, weil kein Grund zur Behandlung bestand.

Am 8. August 2000 hat die Klinik auch Sie gewarnt. Warum haben Sie nicht reagiert?

Wir haben reagiert: durch besonders gesicherte Unterbringung, Ausgangssperre und besondere Sicherungsmaßnahmen bei Arztbesuchen. Es ging um den Antrag der Klinik, den Mann vom Maßregelvollzug in eine Justizvollzugsanstalt zu verlegen. Die Gefährlichkeit bezog sich auf die vermutete Fluchtgefahr; er war 1997 schon einmal geflüchtet.

Haben Sie nach dem Fall Schmökel verschärfte Sicherheitsvorkehrungen angeordnet?

Nein, aber der Fall war auch anders gelagert. Schmökel hätte in Berlin keinen Ausgang bekommen. Der jetzt in Berlin geflüchtete Mann hatte keinen Ausgang und wurde bei Arztbesuchen an zwei Pfleger gefesselt. Ohnehin sind die Sicherheitsstandards in Berlin immer wieder überprüft und seit 1986 Maßregelvollzug öfter verschärft worden. Sie werden weiter ausgebaut. Unser Konzept besagt: Zuerst Sicherheit, dann Behandlung.

Welche Konsequenzen ziehen Sie jetzt?

Wir haben Sofortmaßnahmen ergriffen, also die Sicherung der Fenster nochmals verstärkt, Stacheldraht auf dem Dach angebracht, die Zimmerkontrollen verstärkt, den Außensicherheitsdienst nachts verdoppelt. Sicherheitsberater der Polizei untersuchen, ob weitere Schritte nötig sind.

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