Berlin : IHK-Chef Werner Gegenbauer

-

Berlin wäre ohne diesen Unternehmer und rührigen IHKPräsidenten ein Stück kleiner. Da sitzt und grinst verschmitzt kein Hanno Buddenbrook. Die Firma Gegenbauer hat er zwar geerbt, aber er hat sie im Laufe der Jahrzehnte auch kräftig nach vorne gebracht. „Ein rentabler Laden“ (fünf Prozent Rendite!) mit 300 Millionen Umsatz und gut 12000 Beschäftigten, die sich um die Gebäude kümmern, sie sichern, säubern und verwalten. Facility Management nennt man das heute.

Werner Gegenbauer wollte es nicht wie sein alter Herr machen. Der kam noch mit 82 Jahren tagtäglich ins Geschäft. „Ihm fehlten Alternativen.“ Das ist bei „Werner Dampf in allen Gassen“ ganz und gar nicht so. 457 Einträge zu Werner Gegenbauer ergibt die Suche im Internet: nicht nur zu Golf und Rotary, sondern zum Zentrum für Folteropfer, zur Mart-Stam-Gesellschaft der Kunsthochschule Weißensee, zur Komischen Oper und zur Bewerbung für die nächste Leichtathletik-Weltmeisterschaft. „Fürsorgepflicht“ sei ein Wort, das tragischerweise ganz aus dem Sprachschatz verschwunden sei, beklagt der notorische Wohltäter. Bei ihm entstand deshalb „kein Loch“, als er die Mehrheit an „Gegenbauer & Bosse“ vor drei Jahren an Salamander verkauft hat. Nun ist sie wieder da, wie ein Bumerang, zurückgekauft von EnBW. Aber führen lässt er G&B von seinen zwei Mitgesellschaftern und langjährigen Geschäftsführern.

Auch die IHK, an deren Spitze Gegenbauer seit 1997 steht, soll jetzt „in jüngere Hände“. Rückblicke sind nicht so sehr Gegenbauers Sache. Aber die vielen Schwierigkeiten, das Wegbrechen der Jobs in der Industrie, die New-Economy-Blase, die Berliner Finanzmisere und schließlich die Lasten durch das neue Ludwig-Erhard- Haus „haben den Job besonders interessant gemacht“. In Zukunft sieht der scheidende Präsident übrigens „die Distanz zwischen der IHK und der Handwerkskammer geringer werden“, eine diplomatische Formel für eine Fusion? W.G. lächelt nur dazu.

Berlin braucht andere Visionen. Das Wachstum von morgen kann nur aus den „Veränderungen“, dem Neuen gewonnen werden. Das Bestehende ist schon verteilt. Das klingt nach gutem Facility-Management: die alten Räume kräftig durchputzen und erneuern. Im Lande wie in der Stadt drohen die maroden öffentlichen Finanzen das an sich positive Bild der Republik und der Stadt zu zerstören. Sein Rat an die Regierung, auch wenn ihn viele seiner Wegbegleiter nicht hören wollen: Sie solle die Mehrwertsteuer erhöhen.

Heik Afheldt war Herausgeber von „Handelsblatt“, „Wirtschaftswoche“ und Tagesspiegel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar