Berlin : Ihr Bären der Welt

Sie standen auf Berlins Straßen - und kommen jetzt unter den Hammer: die bunten Teddys. Eva Herlitz hatte die Idee zu der Benefiz-Aktion

Lothar Heinke

Die Idee und ihre praktische Ausführung war ein Sommer-Hit am Pariser Platz: 125 Bären, bunt bemalt mit den Symbolen von 125 Ländern, standen in einem „Kreis der Freundschaft“ friedlich vereint. Der Bundespräsident kam, der Außenminister nannte die Bären-Versammlung ein „eindrucksvolles Kunstwerk und Symbol für den kulturellen Reichtum unserer einen Welt, die durch friedliches Zusammenleben sehr viel mehr sein kann als nur die Summe ihrer Teile“. Bunte Bären standen auch auf Berlins Straßen – etliche von ihnen werden jetzt am Dienstag Abend versteigert.

Zwei Buddy-Bären standen bis vor kurzem noch wie bestellt und nicht abgeholt auf dem Gelände der amerikanischen Botschaft. Sie glänzten golden und hielten ein rotes Herz in die Höhe – das war ein Appell an jeden, der näher trat, um die Schriftzeichen zu entziffern, die die beiden letzten Buddys wie Tattoos bedecken. Wir finden eine Botschaft, verfolgen sie in mehreren Sprachen, Schriftzeichen und Symbolen: „Behandle jeden anderen Menschen wie Du selbst behandelt werden möchtest“. Das sei die positive Form der bei uns geläufigen Verhaltensregel „Was Du nicht willst das man Dir tu – das füg’ auch keinem anderen zu“, sagt Eva Herlitz, die mit ihrem Mann Klaus Herlitz nicht nur die Bären auf unsere Straßen holte, sondern auch den Kreis der „United Buddy Bears“ schuf, der ihren herzensbildenden und aufklärerischen Intentionen schon etwas näher kam.

Geradezu spielerisch kommt das Moralische nun mit den vierbeinigen Sympathieträgern daher. Das Gute und der Teddy – liebenswert, edel, und verbunden mit unserem uralten, traditionellen Wappentier. Eva Herlitz sympathisiert mit der Stiftung Weltethos und verweist auf den Vorschlag zur „Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten“, bei der der Artikel 1 formuliert, dass jede Person die Pflicht hat, „alle Menschen menschlich zu behandeln“, ferner „Leben zu achten“, sich „integer, ehrlich und fair“ zu verhalten, „wahrhaftig zu reden und zu handeln“. Niemand, „wie hoch oder mächtig auch immer, darf lügen“. Und: Jede Person sei unendlich kostbar und muss unbedingt geschützt werden. So fordern es diese fundamentalen Prinzipien für Humanität. Und die spielen, sagt Eva Herlitz, Mutter dreier Kinder und einstige Lehrerin, in der Erziehung der Jugend eine zu geringe Rolle.

Wer die Zeichen auf den Plastik-Tieren, die da einsam im Nordwind standen, las, ging wohl um einige Gedanken reicher in den Tag – vielleicht sogar hinüber zum „Raum der Stille“ im rechten Brandenburger Tor-Häuschen. Dort schreiben die Besucher ähnliche Sätze vom Wunsch nach Frieden und Hoffnung auf Toleranz ins Gästebuch. Und was die Bären-Botschaft betrifft: Im Frühsommer 2003 soll die Einsamkeit der beiden Ethos-Buddys, die jetzt in irgendeinem Depot stehen, ein Ende haben. Dann kommen neue Freunde: 150 Bären, jeder für ein UNO-Mitgliedsland, sollen wieder in einem Kreis der Toleranz und Verständigung vereint sein, um schließlich auf die Reise zu gehen in alle Welt.

Buddy-Bären-Benefizversteigerung am Dienstag, 19 Uhr, in der Mercedes Welt am Salzufer 1, 10587 Berlin. Infos zu Bären und Geboten im Internet: www.buddy-baer.com .

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