Berlin : Ihr Haustier

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TIPPS VON KARRASS

Leider gibt es ihn, den „inneren Schweinehund“. Bekämpfen wir ihn oder setzen wir auf friedliche Koexistenz? Der Laufprofi rät: Üben Sie Nachsicht.

Akzeptieren Sie Ihren inneren Schweinehund als friedliches Haustier. Wenn Sie anfangen, ihn als Feind zu sehen, wird es Ihnen nur noch schwerer fallen, nicht auf ihn zu hören. Es gibt Tage, an denen verliert man einfach gegen ihn und bleibt tatsächlich liegen, morgens um halb sieben. Die Kunst ist, den Grund der Müdigkeit zu analysieren. Bin ich müde vom Lauftag zuvor? Habe ich in den letzten Nächten zu wenig geschlafen? Wenn Sie sehr regelmäßig laufen, dann seien Sie ruhig mutig und sagen freundlich: „Okay, Schweinehund, wir bleiben liegen und genießen jede Minute.“ Am nächsten Morgen, richtig ausgeruht, schaffen Sie die Runde mit Leichtigkeit.

Für Einsteiger gilt: Wenn Sie nicht sofort vom Laufvirus ergriffen werden, hilft mentale Unterstützung. Vergleichen Sie sich nicht mit erfahrenen Läufern, seien Sie stolz, dass Sie Ihre Trägheit überwinden, genießen Sie Ihre kleinen Laufsiege. Ihre Motivation kann darin bestehen, dass Sie Ihre Erfolge an der eigenen Figur und der Fitness ablesen können. Besonders wichtig sind Rituale vor jedem Lauf. Zum Beispiel: Blick auf den Laufkalender – was ist geplant? Gang in die Küche, eine halbe Banane essen. Laufsachen ordnen – los. Davor kann auch das kurze Fernsehvergnügen stehen. Nachrichten schauen und ausschalten. Welch ein Sieg!

Fortgeschrittene brauchen Motivation, wenn sich Routine oder gar Langeweile einschleichen. Suchen Sie sich einen Volkslauf in Ihrer Nähe und bereiten Sie sich zielstrebig darauf vor. Wenn Ihre Trainingseinheiten immer länger werden, kann Ihnen auch das Laufen in der Gruppe helfen. Auf langen Touren lässt es sich prima plaudern.

Freaks bersten gern vor Ehrgeiz. Doch selbst bei ihnen schlägt der Schweinehund zu. Sie laufen zwar, scheuen sich aber, die ungeliebten schnelleren Laufintervalle zu erledigen. Mein Tipp: Stoppen Sie nach dem Einlaufen und absolvieren Sie ein paar Dehnübungen. Denken Sie in der Erholungsphase nach: Will ich mich verbessern oder reicht mir mein Niveau? Es reicht Ihnen natürlich nicht. Sie werden durchstarten – meistens jedenfalls.

Jens Karraß, 35, geboren in Hoyerswerda, war 1985 DDR-Spartakiade-Sieger und mehrfach Deutscher Meister auf allen Langstrecken und in allen Altersklassen. Er läuft für den SCC Berlin, arbeitet als Personal Trainer und Fitnesscoach, leitet in Berlin den AOK-Frühstückslauf und ist seit 2000 Laufbotschafter für Unicef.

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