Berlin : „Ihre Königliche Hoheit“ gehört wieder zum guten Ton

Das gilt nicht nur beim Zarenball: Aus Respekt vor den alten Zeiten laden Veranstaltungsagenturen adlige Gäste mit Titel und der Abkürzung „I.K.H.“ ein

Tanja Buntrock

Zum Zarenball am heutigen Sonnabend im Hotel Adlon, aber auch bei vielen anderen gesellschaftlichen Anlässen spielen adelige Gäste eine wichtige Rolle – vor allem auf den Gästelisten. Und obwohl offiziell der Adel in Deutschland abgeschafft ist, tauchen immer häufiger die Buchstaben I.M. (Ihre Majestät) oder I.K.H./S.K.H. (Ihre Königliche Hoheit/Seine Königliche Hoheit) in geschwungenen Lettern auf. Ein neuer Trend?

Charlotte von Kleist, Büroleiterin der Veranstaltungsagentur Schoeller & von Rehlingen (organisiert zum Beispiel die Aids-Gala), findet es richtig, an den Adelstiteln festzuhalten. „Es liegt in der Historie begründet, dass der Adel eine ganz besondere Rolle gespielt hat. Man besinnt sich auf konservative, traditionelle Werte.“ Zudem gehöre es einfach „zum guten Ton“, wenn adelige Gäste auf Einladungskarten oder im Gespräch korrekt bezeichnet würden. „Das macht sich gut, denn der Gast merkt, dass wir uns erkundigt haben über ihn und seinen Titel.“ Komme die Königin von Schweden zum Gala-Dinner, stehe auf der Einladungskarte selbstverständlich I.M. Silvia Königin von Schweden. „Angesprochen wird sie mit Majestät“, sagt Charlotte von Kleist. „Ihre Königliche Hoheit“ (I.H.K.) ist die Bezeichnung für die Thronfolgerin, in diesem Fall also Prinzessin Viktoria. „Aber auch Elisabeth von Sachsen-Weimar ist Prinzessin“, erklärt Charlotte von Kleist. „Auf der Einladung schreiben wir I.K.H. vor dem Namen. Das muss man zwar offiziell nicht machen hier in Deutschland, aber wir tun es dennoch.“ Warum? Charlotte von Kleist sieht die adelige Prinzessin als „Respektsperson“, den Titel aus älteren Zeiten „lässt man dann einfach nicht weg.“

Natürlich habe Elisabeth von Sachsen-Weimar den Status als Prinzessin genau genommen nicht mehr, „aber auch aus Ehrerbietung an die alten Zeiten“ gehöre die Bezeichnung dazu. Gleiches gelte für Ferfried Prinz von Hohenzollern. Auch auf seiner offiziellen Einladung wird sich ein S.K.H. befinden. „Im ganz offiziellen Rahmen spräche man ihn mit Königliche Hoheit an“, erklärt die Veranstaltungsmanagerin, „aber Prinz Hohenzollern wäre auch nicht falsch“.

Die Veranstaltungsagentur „Chez Alex“, die den Zarenball organisiert, hält ebenso an den Titeln fest. Da viele der Ball-Initiatoren selbst adelig sind und dementsprechend viele andere, ebenfalls adelige Freunde einladen, „fallen die Einladungen oft sehr persönlich aus“, sagt Sprecherin Annette Zierer. „Da schreibe ich natürlich ,Lieber Eduard’ oder ,Lieber Franz’ in der Anrede, wie bei anderen Freunden auch.“

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