Ihre Meinung : Braucht Berlin eine ''Grillpolizei''?

Obwohl nur an 14 Plätzen gegrillt werden darf, hängt allabendlich dichter Rauch über Berlins Parks. Vorschriften werden ignoriert, der Müll bleibt liegen. Was können die Bezirke dagegen tun? Diskutieren Sie mit!

Jörn Hasselmann,Solveig Rathenow
Müll
Noch am Ostermontag stapelten sich Tonnen von Abfall. BSR-Mitarbeiter haben die Reste der Ostergrillpartys beseitigt. -Foto: ddp

Aufräumen nach dem heißen Wochenende: Am Dienstag wurden der Tiergarten, aber auch der Volkspark Friedrichshain und der Görlitzer Park in Kreuzberg gesäubert. Am Ostermontag hatten überquellende Mülleimer, volle Plastiktüten, verstreuter Abfall, leere Flaschen und Glassplitter etwa im Görlitzer Park das Sonnenbaden fast unmöglich gemacht. Kritisiert werden derweil die bezirklichen Ordnungsämter, weil in allen Parks gegrillt wurde, ohne dass Verstöße geahndet wurden. Die blauen Uniformen waren kaum zu sehen. „Unsere Mitarbeiter hatten über die Feiertage frei“, erklärt Bernd Pölsch, stellvertretender Leiter des Ordnungsamts Friedrichshain-Kreuzberg. Nur am Samstag wurden Kontrollen im Viktoriapark am Kreuzberg und auf der Halbinsel Stralau durchgeführt. Dabei kam es aber zu keinen Verweisen für Griller.

Gegrillt werden darf in der Innenstadt nur an 14 ausgewiesenen Plätzen in Parkanlagen; Müll sollen Parkbesucher entsorgen oder wieder nach Hause mitnehmen. Für die Überwachung sind die Ordnungsämter der jeweiligen Bezirke zuständig, die „Müllsünder“ mit Geldstrafen bis zu 5 000 Euro belegen können.

Auch im Tiergarten, wo 15 Tonnen Müll gesammelt wurden, trat das Ordnungsamt kaum in Aktion. Zwar wurden 20 zusätzliche Sammelcontainer aufgestellt, aber „die Leute werfen den Müll nicht weg, sondern lassen ihn liegen“, sagt Bezirksstadtrat Stephan von Dassel (Grünen). Die Kosten für Entsorgung der Abfallberge des Wochenendes, die hauptsächlich durch Grillen entstanden sind, belaufen sich laut dem Bezirksamt Mitte auf rund 16 000 Euro.

Nach Angaben des Bezirksamtes Mitte war „das Ordnungsamt mit vier Kollegen von Freitag bis Montag im Einsatz“. Doch deren Ausbeute im Tiergarten war erschütternd niedrig: Genau eine einzige Anzeige wurde geschrieben, hieß es, ansonsten sei mündlich „verwarnt“ worden.  Der für das Ordnungsamt zuständige Stadtrat Joachim Zeller (CDU) rechtfertigt die niedrige Zahl damit, dass es kaum möglich sei, die Griller „beweissicher“ zu erwischen. Erforderlich seien Einsätze in Zivil und mit Polizeiunterstützung. Doch den zivilen Einsatz verbiete die Senatsinnenverwaltung, und die Polizei habe eine Unterstützung an Ostern mit Hinweis auf den Personalmangel abgelehnt, sagte Zeller. „Wir brauchen mehr qualifiziertes Personal“, sagte Zeller. Derzeit liege das Durchschnittsalter bei 50 Jahren. Es sei doch nachvollziehbar, dass sich die Mitarbeiter nicht gegen „ein paar junge Burschen durchsetzen können, die frech werden“.

Letztlich sei der Einsatz der Streifen eine Abwägungsaufgabe, hieß es im Ordnungsamt. An Feiertagen eingesetzte Mitarbeiter bekommen dafür jeweils zwei freie Tage – und fehlen dann unter der Woche. So war im gesamten Bezirk Mitte, zu dem auch Wedding und Tiergarten gehören, an den Osterfeiertagen pro Schicht genau eine Doppelstreife unterwegs. „Was sollen die gegen tausende Griller unternehmen“, fragte Zeller.

Auch der in Charlottenburg-Wilmersdorf fürs Ordnungsamt zuständige Stadtrat Marc Schulte (SPD) fordert Einsätze in Zivil gegen illegale Griller. „Wenn ein Uniformierter sich nähert, gehen die Griller einfach weg.“ Mittes Stadtrat Dassel erinnerte daran, dass der Bezirk 2003 eine große Offensive mit einer „Grillpolizei“ und vielen Anzeigen gestartet hatte. Diese sei leider nicht durchgehalten worden. „Reden reicht nicht“, sagte Dassel, es müssen Anzeigen geschrieben werden. Nur so sei ein Lerneffekt zu erzielen.

Obwohl nur an 14 Plätzen gegrillt werden darf, hängt allabendlich dichter Rauch über Berlins Parks. Vorschriften werden ignoriert, der Müll bleibt liegen. Was können die Bezirke dagegen tun? Diskutieren Sie mit!

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