Ihre Meinung : Soll der Markt auf dem Kollwitzplatz schließen?

Berliner und Touristen kaufen gerne auf dem Kollwitzplatz ein, doch Anwohner sind vom Lärm genervt. Deshalb gab es am Montag einen Runden Tisch. Welche Vorschläge haben Sie? Diskutieren Sie mit!

Werner Kurzlechner
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Gestörtes Wochenende. Der Markt am Kollwitzplatz zieht sonnabends tausende Besucher an – vielen Nachbarn ist das zu laut. Foto:...

Der Applaus am Montagabend wirkte wie ein Erregungsbarometer. Er machte die verhärteten Fronten im Streit um den sonnabendlichen Markt am Kollwitzplatz hörbar. Laut klatschte die Hälfte der gut 150 Zuhörer, wenn sich Marina Lehmann in Namen der Bewohner der Knaackstraße über frühmorgendlichen Lärm und dicht an dicht stehende Stände beschwerte. Ebenso lautstark pflichtete die andere Hälfte Betreiber Andreas Strube bei, wenn er den Markt, seinen Standort und seine Lebendigkeit verteidigte. Sehr viel leiser und verhaltener fiel der Applaus für Jens-Holger Kirchner (Grüne) aus. Dafür erhielt der Pankower Stadtrat für öffentliche Ordnung seinen Beifall aber von beiden Seiten, als er die Chance auf einen Kompromiss verhieß.

Der Konflikt um den bei Berlinern und Touristen gleichermaßen beliebten Wochenmarkt, der seit dem Jahr 2000 am Kollwitzplatz stattfindet, schwelt seit Jahren. Verstärkt vernehmbar ist er aber erst, seitdem der Markt, der als östliches Pendant des Winterfeldtmarktes gilt, baustellenbedingt seinen Standort am Platz bis in die Knaackstraße hinein verlagerte. Seither machen Anwohner mit der Initiative „Besser Leben im Kiez“ mobil gegen Lärm und Behinderungen. Für einen Eklat sorgte im vorvergangenen Winter Wolfgang Thierse (SPD) mit einem Protestschreiben an das Bezirksamt – mit dem Briefkopf des Bundestagsvizepräsidenten.

Der Runde Tisch sollte jetzt die Lage entschärfen. Die Anwohner fühlen sich zum einen in ihrer Wochenendruhe gestört. Markttag ist sonnabends von 9 bis 16 Uhr, der Aufbau der rund 80 Stände beginnt bereits um 7 Uhr. Zum anderen stören sie sich unter anderem an nicht eingehaltenen Sicherheitsabständen. Marina Lehmann präsentierte eine Reihe von Fotos, auf denen ein Mann mit ausgestreckten Armen Marktwagen berührt. Im Brandfall käme die Feuerwehr nicht durch. „Wir wollen den Markt nicht eliminieren, sondern in eine konfliktfreie Zone verlagern“, sagte Lehmann. Sie schlug die Kulturbrauerei als Ausweichstandort vor, was die Runde postwendend ablehnte. Ein Markt in einem „burgartig ummauerten“ Gelände ergebe keinen Sinn, sagte Ordnungsamtsleiter Peter Lexen. Ebenso wenig mehrheitsfähig war der Vorschlag, den Markt an den alten Standort zurückzuverlegen.

Stadtrat Kirchner stellte klar, an einen Entzug der Sondernutzungsrechte sei wegen des hohen öffentlichen Interesses am Markt nicht zu denken. Er sagte aber auch, dass der Betreiber die Auflagen einhalten müsse. Nachzudenken sei auch über einen späteren Beginn der Veranstaltung, so Kirchner. Das Ansinnen der Initiative, den Wochenendmarkt wie den Ökomarkt am Donnerstag erst um 11 Uhr beginnen zu lassen, sei allerdings illusorisch. Kirchner regte an, die Erlaubnis zum Aufbau des Marktes von 7 auf 9 Uhr zu verschieben. „Wir fliegen zum Mond und telefonieren drahtlos“, so der Stadtrat. „Das muss es doch möglich sein, einen Marktstand in einer halben Stunde aufzubauen.“ Im Oktober will man sich erneut am Runden Tisch treffen.

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