Berlin : Ikea: Bezirksamt beeilt sich für Billy und Bonde

Rainer W. During

"Wir sind stolz, dass wir den Elchtest im Gegensatz zu anderen bestanden haben", sagte Bürgermeister Konrad Birkholz. Gemeinsam mit Baustadtrat Carsten Röding (beide CDU) übergab er gestern nach nur fünfmonatiger Bearbeitungszeit die Baugenehmigung für den Neubau des Ikea-Möbelhauses an der Ruhlebener Straße. Die Geschwindigkeit, mit der die Spandauer das Verfahren durchgezogen haben, ist selbst für den Geschäftsführer der Ikea Verwaltungs GmbH, Hans Schaefer, "sehr ungewöhnlich".

"Das ist das Spandauer Tempo", sagte Baustadtrat Röding. Die Schnelligkeit von Baugenehmigungen sei ein entscheidender Standortvorteil im Konkurrenzkampf um Investoren. "Wir sind immer dankbar, Projekte unterstützen zu können, bei denen eine größere Zahl von Arbeitsplätzen geschaffen wird", so Bürgermeister Birkholz. Bei Ikea sollen 100 neue Jobs entstehen.

Keineswegs habe die Geschwindigkeit mit der umstrittenen Rolle des Abgeordnetenhaus-Vizepräsidenten Walter Momper (SPD) als Projektentwickler auch für Ikea zu tun, betonten die Kommunalpolitiker. "Es hat wegen der anderen Parteizugehörigkeit aber auch nicht länger gedauert", meinte Röding. Entgegen der Auffassung der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung habe rechtlich keine Notwendigkeit zur Änderung des bestehenden Bebauungsplanes bestanden. Man habe keinen Einfluss darauf, wen ein Investor zum Partner nehme, "ob er nun früher Schornsteinfeger oder Regierender Bürgermeister war", erklärte Birkholz.

Ikea arbeite stets mit örtlichen Projektentwicklern zusammen und vertraue in Berlin seit über fünf Jahren auf die Erfahrung von Momper als Bauberater, sagte Hans Schaefer. Der Ex-Regierende sei bei Politiker-Terminen jedoch stets in Begleitung von Firmenvertretern gewesen. In den entscheidenden Phasen entwickle das Unternehmen seine Projekte ohnehin selbst.

In Spandau investiert Ikea, wie berichtet, 120 Millionen Mark, um die Verkaufsfläche auf 20 000 Quadratmeter zu verdoppeln. Im Februar soll mit dem Teilabriss des Lagergebäudes am Gewerbehof begonnen werden, wo anschließend eine Parkpalette für 1770 Parkplätze entsteht. Nach dem Abriss des bisherigen Parkhauses wird dann im Sommer mit dem Neubau begonnen. Anschließend muss das bisherige Verkaufsgebäude der Erweiterung der neuen Anlage weichen. Am 29. November 2002 soll Deutschlands größtes Ikea-Haus eröffnet werden.

Der Eingang wird während der Bauphase zunächst zum Gewerbehof verlegt, so Möbelhaus-Chef Berthold Kempter. Später entsteht eine neue, insgesamt vierspurige Zu- und Abfahrt an der Ruhlebener Straße. In Höhe der Teltower Straße wird auf Ikea-Kosten eine neue Ampelkreuzung gebaut. Der Bezirk sieht die Baugenehmigung nicht als Ende, sondern als Anfang einer Entwicklung. Unter Einbeziehung der benachbarten Brachflächen soll hier "ein kleines Fachmarktzentrum" der Möbelbranche entstehen, hofft Carsten Röding.

Im kommenden Frühjahr hofft man bei Ikea auch auf Entscheidungen für den an der Landsberger Allee geplanten Bau eines weiteren Möbelhauses. Vorerst hat man das Grundstück unter Vorbehalt einer Änderung des Flächennutzungsplans gekauft. Geplant ist ein städtebauliches Kolloquium, sagte Hans Schaefer.

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