• ILA: Mehr Militär, weniger Proteste - Das "Anti-ILA-Bündnis" ist deutlich schwächer als früher

Berlin : ILA: Mehr Militär, weniger Proteste - Das "Anti-ILA-Bündnis" ist deutlich schwächer als früher

Jeannette Goddar

Dass es auf der ILA erstmals seit der Flugkatastrophe von Ramstein im Jahre 1988 wieder einen Formationsflug von acht Kampfjets geben wird, stößt zwar auf Kritik. "Militärische Formationsflüge sind völlig unzeitgemäß", kommentiert etwa der verkehrspolitische Sprecher der SPD im Abgeordnetenhaus, Christian Gaebler. "Wir wollen keine Flugschauen à la Ramstein mehr." Grundsätzliche Kritik an der ILA aber übt Gaebler nicht. Dass auf einer Luftfahrtschau auch Kampfflugzeuge auftauchten, sehe er "eher undogmatisch".

Auch Michael Cramer von den Bündnisgrünen sieht im Formationsflug eine "neue Qualität" der ILA. Die PDS-Landeschefin Petra Pau spricht sich gegen das "Berlin-Brandenburger Waffengedröhn" aus. In Zeiten, in denen Ethik- und Religionskunde zu Pflichtfächern erklärt werden sollen, sei es absurd, das "massenhafte Bejubeln von Hightech-Waffen steuerlich zu vergünstigen".

Die Zeiten massenhaften Protests gegen die Luft- und Raumfahrtausstellung, auf der nach Angaben der Veranstalter zu 25 bis 35 Prozent militärische Luftfahrt vorgestellt wird, sind indessen vorbei. Während die ILA bis Mitte der 90er Jahre regelmäßig von Protest-Gottesdiensten, von Menschenketten und Sitzblockaden begleitet wurde, ist das diesjährige "Anti-ILA-Bündnis" massiv geschrumpft. Als die Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär am Dienstag versuchte, den Eingang zu blockieren, waren gerade einmal 30 Leute erschienen. Außerdem hatte auch die Polizei längst Wind von der Aktion bekommen und nahm bereits im Vorfeld 13 Personen fest.

Weil die Polizei offenbar auch die weitere Terminplanung kannte, wurde auch eine für heute geplante Tornado-Besetzung abgesagt. Nun ist die einzige geplante Aktion eine Protestkundgebung am U-Bahnhof Rudow, von wo der Shuttle-Service für ILA-Besucher startet. Morgen ab 10 Uhr soll protestiert werden. Obwohl die ILA durchaus von weiten Teilen der Öffentlichkeit als "Rüstungsmesse" wahrgenommen werde, seien offenbar immer weniger Menschen bereit, sich dagegen zu engagieren, konstatiert auch Michael Behrendt vom Anti-ILA-Bündnis. Für Behrendt findet auf der ILA eine "Verharmlosung militärischen Fluggeräts" statt: "Die ILA ist eine Veranstaltung, die Eltern mit ihren Kindern besuchen", sagt Behrendt, "und niemand sagt den Kindern, dass die Flugzeuge Menschen töten sollen."

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