Berlin : Illegale Kippen: Vom Müllberg in die Tegeler Zelle

Hans Toeppen

Firmengründung, Müllberg, Konkurs, dann wieder von vorne. "Das ist eben die Masche in diesem Bereich", sagt Hans-Dietrich Kreuzer, der als Inspektionsleiter bei der Polizei für die Berliner "Müll-Mafia" zuständig ist. Einen der Großen der illegalen Branche hat es jetzt erwischt. Vor kurzem ist Harald Ludwig M. zu drei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden - die höchste Strafe, die es in den letzten Jahren für einen der Herren von den schwarzen Bauschutt-Kippen gegeben hat. Dazu 250 Tagessätze zu 60 Mark.

Allerdings ist das nur eine strafrechtliche Genugtuung. Den Schaden hat unter Umständen der Steuerzahler zu tragen. Wenn nicht der Grundstückseigentümer zahlen kann, hat nämlich der Fiskus die Beseitigung des illegalen Mülls am Hals. Auf rund 50 hat die grüne Abgeordnete Claudia Hämmerling vor kurzem die Zahl der ungenehmigten Müllberge in Berlin geschätzt: Tausende Kubikmeter Bauschutt, Holz, aber auch Öl und Asbestabfälle - alles unter dem Vorwand der Entsorgung einfach in der Stadt angehäuft. So wandelt sich Müll zu Geld, denn die angeblichen Recyclingfirmen lassen sich die Abnahme jedes Kubikmeters mit ein paar Dutzend Mark honorieren. Dumpingpreise, legale Entsorgung ist teurer.

M. hat vor Gericht gar nicht erst versucht, sich als Unschuldslamm zu präsentieren. M. war geständig, wie Justizsprecher Sascha Daue sagt. Der Rest dürfte ausgehandelt worden sein sein: Geständnis, Absprache über die maximale Strafe, keine Berufung. Das Urteil ist schon rechtskräftig. Konkursvergehen, ein Untreue-Vorwurf und eine Vorstrafe von neun Monaten wegen Unterschlagung gingen in das Urteil mit ein. So kamen fast vier Jahre zusammen.

BASO-GmbH hieß die erste Firma, die in dem Urteil eine Rolle spielte. 25 000 Kubikmeter Bauschutt häufte BASO im brandenburgischen Germendorf auf. Der Haufen blieb liegen, BASO aber verschwand 1997. BES-GmbH nannte sich nach den Feststellungen der Staatsanwaltschaft das nächste Unternehmen, das an der Wartenburger Straße in Hohenschönhausen Altöl, Bauschutt und Asbestabfälle lagerte. Und so ging es weiter. 5000 Kubikmeter an der Herzbergstraße in Lichtenberg. 12 000 Kubikmeter auf einem ehemaligen russischen Kasernengelände in Karlshorst. 1000 Kubikmeter am Hönower Wiesenweg in Lichtenberg. Diesmal war es eine Barab-GmbH.

M. legte offenbar Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Er ist auch wegen Veruntreuung von 230 000 Mark Kundengeldern verurteilt worden. Ein Teil dieses Geldes diente der technischen Aufpolierung seiner Firma: Ein Ferrari wurde als Dienstwagen angeschafft.

Inzwischen habe sich der illegale Müll-Tourismus stärker nach Brandenburg verlagert, sagt der Umwelt-Kripo-Mann Kreuzer. In Berlin werde nämlich schneller ermittelt. Das Bundesumweltministerium ist gerade dabei, die Rechts- und Sicherheitslücken möglichst zu schließen, die den Schutt-Kriminellen das Geschäft erleichtern. So soll es keine Genehmigungsfreiheit mehr für kurzfristige Lagerplätze geben, und von den Betreibern will man Sicherheitsleistungen verlangen.

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