Berlin : Illegale Telefonkarten: Immer mehr Betrugsfälle

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Manipulierte Telefonkarten bereiten der Deutschen Telekom zunehmend Probleme. Hobby-Bastlern ist es gelungen, die Technik auszutricksen und leere Telefonkarten erneut aufzuladen. Verluste in bisher nicht bezifferbarer Höhe drohen dem Unternehmen durch Geräte aus der heimischen Bastelstube, die zuerst in Holland auftauchten, bald aber schon den Weg nach Deutschland fanden. Am Wochenende nahm die Polizei in Berlin zwei 26 und 30 Jahre alte Männer fest. Bei ihnen wurden rund 600 Telefonkarten sowie eines der Ladegeräte sichergestellt.

Gehandelt wird mit den "recycelten" Telefonkarten vorwiegend in Ausländerwohnheimen, denn Ausländer, die preiswert mit ihren Familien in der Heimat telefonieren wollen, sind die besten Abnehmer. Eine Telefonkarte mit einem Guthaben von 50 Mark wird nach den Erfahrungen von Jochen Kunisch, er ist im Landeskriminalamt (LKA) für Computerkriminalität zuständig, für 5 Mark angeboten. Wer seine leere Karte aufladen lassen möchte, zahlt dafür 1,50 Mark bis 2 Mark. Um die 500 derartig illegal manipulierter Telefonkarten stellt die Polizei mittlerweile monatlich in Berlin sicher.

Die Ladegeräte stammen Kunisch zufolge ursprünglich aus den Niederlanden. Computerfreaks hatten einst einen Weg gefunden, die dort verwendeten Telefonkarten zu reaktivieren. Diese in Küchen und Bastelstuben zusammengelöteten Ladegeräte hatten dann den Weg nach Deutschland gefunden. Aufgrund der Ähnlichkeit beider Telefonsysteme konnten auch die hier verwendeten Telefonkarten erfolgreich eingesetzt werden. Inzwischen werden die Geräte Kunisch zufolge je nach Qualität zum Preis zwischen 3000 und 40 000 Mark auf dem Schwarzmarkt angeboten.

Noch vor wenigen Jahren hatten Polizei und Telekom mit sogenannten Telefonkartensimulatoren zu kämpfen. Diese gaukelten der Technik in den öffentlichen Fernsprechern vor, es stecke eine Telefonkarte im Schlitz. Tatsächlich handelte es sich aber um komplizierte Kleinstcomputer. Telekomtechniker konnten diese aufgrund ausgesendeter Störimpulse jedoch orten. In mehreren Großeinsätzen von Polizei und Telekom konnten zahlreiche Schwarztelefonierer festgenommen werden, an die Hintermänner kam man aber nur selten. Die Simulatoren wurden vorwiegend in Osteuropa hergestellt und damals zum Stückpreis von um die 1000 Mark verkauft.

Die jetzt eingesetzten aufgeladenen Originaltelefonkarten können dagegen technisch nicht geortet werden. Die Polizei ist bei ihren Ermittlungen mehr oder weniger auf Zufallsfunde angewiesen, die sich aber häufig ergeben, wenn wegen anderer Delikte ermittelt werde, sagte Kunisch. Vorgekommen sei es auch schon, dass die neu geladenen Telefonkarten zu einem Spottpreis den Betreibern von Tabakwarengeschäften angeboten worden seien. "Finger weg!" rät Kunisch.

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