• Illegales Autorennen in Berlin: Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Freiheitsstrafen für Ku'damm-Raser

Illegales Autorennen in Berlin : Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Freiheitsstrafen für Ku'damm-Raser

Die Staatsanwaltschaft sieht "bedingten Vorsatz" und fordert lebenslang. Das Landgericht wird sein Urteil voraussichtlich am Montag verkünden.

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.„Wie ein ICE“. So beschreibt eine Zeugin vor Gericht die beiden Ku’damm-Raser. Foto: Paul Zinken/dpa
.„Wie ein ICE“. So beschreibt eine Zeugin vor Gericht die beiden Ku’damm-Raser.Foto: Paul Zinken/dpa

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist der Fall klar: Es war Mord. Gegen die Sportwagenfahrer, die sich ein illegales Rennen am Ku’damm geliefert und den Tod eines 69-jährigen Jeep-Fahrers verursacht haben sollen, hat die Anklage lebenslange Freiheitsstrafen verlangt.

„Der Fahrt stand das tödliche Risiko auf der Stirn geschrieben“, sagte Ankläger Christian Fröhlich nach mehr als viermonatigem Prozess. Hamdi H. und Marvin N. hätten mit bedingtem Vorsatz gehandelt, tödliche Folgen ihrer halsbrecherischen Fahrt billigend in Kauf genommen – „um das illegale Stechen zu gewinnen und sich Selbstbestätigung zu sichern“, so der Ankläger.

Er beantragte zudem, die beiden Angeklagten nie wieder hinters Steuer zu lassen. Mord oder doch fahrlässige Tötung? Es ist ein Prozess, der einen Präzedenzfall in Deutschland schaffen könnte: Bislang führten Verfahren nach illegalen Rennen mit tödlichem Ausgang zu Schuldsprüchen wegen einer fahrlässigen Tat. Die Verteidiger der 27 und 25 Jahre alten Männer werden vermutlich am Donnerstag plädieren. Das Landgericht wird sein Urteil dann wohl am Montag verkünden.

Zwei Männer, für die das Auto zum Statussymbol geworden ist. So hatten es im Prozess mehrere Zeugen geschildert. Beide sind der Verkehrspolizei bereits oft aufgefallen. Weil sie zu schnell fuhren oder falsch parkten. Sie kannten sich nur flüchtig aus einer Bar. Sie hätten sich kurz vor dem furchtbaren Unfall zufällig an einer Kreuzung getroffen, so der Ankläger, und zwar in ihren PS-starken Sportwagen. Es gab eine kurze Verständigung an einer roten Ampel. „Dann raste H. los, N. schloss auf.“

Es war 0.40 Uhr, als am 1. Februar 2016 ein Jeep an der Tauentzienstraße auf die Straße rollte – für Michael W. stand die Ampel auf Grün. Der 69-Jährige war fast zu Hause. Doch Hamdi H. aus Moabit und Marvin N. aus Marzahn näherten sich rasend – „rücksichtslos mit Vollgas“, so der Staatsanwalt. Tempo 160 soll es bei H. im weißen Audi A6 TDI gewesen sein, 139 Stundenkilometer bei N. im weißen Mercedes AMG CLA 45. „Irrsinnig schnell“, so der Ankläger. „Wie ein ICE“, hatte eine Zeugin beschrieben.

Die Ampel stand für die Raser schon längst auf Rot, als sie wie Pfeile angeflogen kamen. „Hamdi H. mit seinem Audi hat den Jeep, der aus der Nürnberger Straße kam, quasi durchstoßen“, sagte Ankläger Christian Fröhlich. Mehr als 70 Meter weit schleuderte der Geländewagen. Michael W. hatte keine Chance. Er starb noch am Unfallort.

Die Beschuldigten hätten die Möglichkeit eines tödlichen Unfalls erkannt und sich damit abgefunden, befand die Anklage. Alles nur, „um ihr Ziel, den Sieg, zu erreichen.“ Es sei damit eine Tötung, die nicht absichtlich oder zielgerichtet erfolgte, sondern „bedingt vorsätzlich“. Wegen der hohen Geschwindigkeit hätten sich beide Angeklagte einer Reaktionsfähigkeit selbst beraubt, sagte Fröhlich – „aus rein egoistischen Motiven – das Ich stand im Vordergrund“.

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