Berlin : Im Bankenskandal plädiert Anwalt erneut auf Freispruch

Kerstin Gehrke

Im Prozess um den Bankenskandal hat gestern ein weiterer Verteidiger auf Freispruch plädiert. „Die Kreditvergabe ist nicht leichtfertig erfolgt“, sagte Stefan König, Anwalt für das frühere Vorstandsmitglied der BerlinHyp, Gerd-Ulrich Blümel. „Der unternehmerische Spielraum wurde nicht überschritten.“ Dass sein Mandant als Vorstand Vorlagen zur Kreditvergabe bewusst unkritisch gelesen haben soll, sei eine Nummer fürs Kabarett. Bereits vor zwei Wochen hatte die Verteidigung des früheren CDU-Fraktionschefs und Bank-Managers Klaus Landowsky Freispruch gefordert.

Sechs Jahre nach Bekanntwerden der Bankenkrise hatte die Staatsanwaltschaft im Dezember auf Freiheitsstrafen bis zu vier Jahren gegen die insgesamt 13 Angeklagten plädiert. Die ehemaligen Manager der BerlinHyp seien der schweren Untreue schuldig zu sprechen, verlangte die Anklägerin. Sie hätten Mitte der 90er Jahre bei der Vergabe von Millionen-Krediten an das Immobilienunternehmen Aubis für Kauf und Modernisierung von Plattenbauwohnungen in Ostdeutschland Gelder ohne ausreichende Risiko- und Bonitätsprüfung bewilligt und damit gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen. Für Landowsky wurden drei Jahre Gefängnis verlangt. Auch Blümel soll nach dem Willen der Anklage für drei Jahre in Haft.

In den Plädoyers geht es nun immer wieder um die „Platte“. Plattenbauten seien zum Zeitpunkt des Aubis-Engagements in den Augen von Wohnungspolitik und auch Wohnungswirtschaft als zukunftsträchtig eingestuft worden, sagte der Anwalt von Blümel. Es habe vor 1997 kein Leerstandsproblem gegeben. Der Prozess wird am Freitag mit weiteren Plädoyers fortgesetzt. Ob es noch im Januar zu einem Urteil kommt, ist offen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar