Berlin : Im Berliner Dom wirkt Weihnachten weiter

Malte Meinhardt

Weihnachten ist vorbei; die Geschenke sind verstaut, der Tannenbaum womöglich schon wieder abgebaut. Der Alltag hat uns wieder. Ein Moment des Innehaltens sind die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr dennoch: Wir schauen zurück auf das Vergangene und blicken in die Zukunft – mal in froher Erwartung, oft aber auch sorgenvoll und mit Ungewissheit.

Im Berliner Dom steht der letzte Sonntagsgottesdienst des Jahres ganz im Zeichen der Zeit „zwischen den Jahren“. Eingangs spielt die Orgel „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Aber so, wie die Hirten sich von der Krippe Jesu wieder zurückzogen, um zu sehen, ob ihre Schafe noch wohlbehalten seien, fordert nun der Alltag auch von uns wieder das Seine, sagt Pfarrer Friedrich Wilhelm Hünerbein. Ob es da nicht übertrieben sei, von Freude und Wonne zu singen, so wie es die Gemeinde gerade vor Beginn der Predigt getan hat? Wonne, sagt Pfarrer Hünerbein, ist nicht nur im sonnigen Monat Mai zu finden. Nein, Jesu Wärme ist auch kurz nach Weihnachten die Wonne für die Menschen. Die Geburt des Sohnes Gottes war ein frohes Zeichen für die Zeit, die kommen sollte. Und so kann uns das Weihnachtsfest jedes Jahr wieder die Angst vor dem Neuen – und vor dem neuen Jahr – nehmen. Mit Jesus ist nicht das Paradies auf Erden gekommen. Aber die Hoffnung: „Nicht die Früchte hat uns Gott gegeben, sondern den Samen“, sagt Pfarrer Hünerbein. Das ist für ihn am ersten Sonntag nach Weihnachten das Verheißungsvolle.

Im Berliner Dom ist Weihnachten daher noch längst nicht vorbei. Eine prächtige Krippe mit geschnitzten Figuren steht in einer Mauernische, neben dem Altar strahlen die Kerzen auf einem stattlichen Tannenbaum. Als die Gemeinde am Ende „O du fröhliche“ singt, klingt das so beschwingt, als wollten alle diese Botschaft aus der Kirche hinaustragen. Weihnachten ist mehr als Heiligabend und Geschenke. Es ist das Fest der Hoffnung. Und die wirkt weiter – bis ins neue Jahr.

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