Berlin : Im Dom-Aquarée entsteht ein Tunnel durch die Tiefsee

Sea-Life-Centre im neuen Hotel am Berliner Dom soll ab Ende 2003 Besucher anlocken

Jörg-Peter Rau

In dem neuen Sea-Life-Centre, das das begehbare Aquarium im Foyer des Hotels im Dom-Aquarée ergänzen soll, werden die Besucher den Fischen so nahe kommen wie sonst nur Taucher. Denn durch das geplante Atlantikbecken soll sogar ein Glastunnel führen. Im Untergeschoss des so genannten Dom-Aquarée entstehen weitere Süß- und Salzwasserbecken. Darüber liegt ein 25 Meter hoher und per Aufzug durchfahrbarer Acryl-Zylinder, der mit Süßwasser und Fischen gefüllt wird. Insgesamt werden die Anlagen im Untergeschoss nach Angaben der Betreiber eine Fläche von rund 1800 Quadratmetern einnehmen. Ab Weihnachten 2003 sollen hier mehr als 3000 Tiere und rund 100 Pflanzenarten zu sehen sein – bei einem Eintrittspreis von etwa 15 Euro für Erwachsene. Die Londoner Firma Merlin Entertainments will damit an kommerzielle Erfolge anknüpfen, die sie und ihre Mitbewerber derzeit in ganz Europa feiern. Die Investitionen in Berlin liegen bei 25 Millionen Euro.

Rainer Kaiser, Kurator des Aquariums des Berliner Zoos, sieht die neue Anlage als eine Bereicherung. Eine Anfrage zur Kooperation mit dem Zoo-Aquarium oder zum Verkauf von Kombi-Tickets habe es indessen noch nicht gegeben: Der zur Volksbank- und Raiffeisen-Gruppe gehörende Immobilienfonds DIFA, der in das Hotel rund 476 Millionen Euro steckt, „hat sich noch nicht an uns gewendet“, sagte Kaiser. Falls die Mitarbeiter von Merlin Entertainments Tipps für die Bestückung von 700 000 Litern Wasser bräuchten, werde er ihnen helfen, so Kaiser.

An eine echte Konkurrenz für das Zoo-Aquarium glaubt auch Günter Arlt von der Universität Rostock nicht. Der Professor für Meeresbiologie kennt nicht nur das öffentlich getragene Berliner Aquarium, sondern auch zahlreiche Sea-Life-Centres. „Ich halte von solchen Sachen sehr viel“, sagt er. Diese Attraktionen eröffneten vielen Menschen den Zugang zur Unterwasser-Welt. Wenn wegen der Sea-Life-Centre-Eröffnung in Mitte niemand mehr in den Zoo gehe, „wäre das ein schlechtes Zeichen für das Aquarium“. Es unterscheide sich durch eine größere Vielzahl von Arten und den wissenschaftlichen Anspruch von dem neuen Vorhaben. Dagegen sei das Projekt in Mitte kommerzieller Natur – und vielversprechend: „Die neuen Aquarien boomen überall.“

Eine Gefährdung des Tierschutzes sieht der Rostocker Professor dabei ebenso wenig wie Aquariums-Kurator Kaiser. „Eine artgerechte Haltung ist möglich“, so Arlt. Moderne Technik ermögliche eine angemessene Beleuchtung, Filterung und Belüftung des Wassers in den Becken. Hinzu komme der pädagogische Effekt, den auch die Betreiber von Merlin in den Vordergrund stellen. Es sei möglich, ganze Ökosysteme zu zeigen, sagte deren Sprecher Michael Elser. Die Merlin-Gruppe betreibt bereits 15 Sea-Life-Centres. Sie unterhält – unter anderem – eigene Rettungsstationen für Seehunde.

Informationen zu Sea Life Centres:

www.sea-life.de

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