Berlin : Im echten Leben zurück

Francisca Urio war Favoritin bei „Deutschland sucht den Superstar“ und schied aus. Die Fans halten zu ihr

Nana Heymann

Auf der Straße wird sie nach wie vor erkannt und angesprochen, als sei nichts gewesen. „Sie sind doch …“ Noch bevor das Mädchen weitersprechen kann, wird es unterbrochen. „Du. Sag bitte Du zu mir. Ich bin Francisca.“ Kurzes Händeschütteln, ein bisschen Smalltalk und schließlich gemeinsame Fotos. Fast so, als wäre nie etwas passiert.

Keine vier Wochen ist es her, da galt Francisca Urio noch als Favoritin bei der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“. Dann kam die Nacht zum 1. April. Und das Unvorhersehbare: Trotz Lobeshymnen von Jury-Mitglied Dieter Bohlen schaffte es die Berlinerin nicht in die nächste Runde. Zu wenig Zuschauer hatten für sie angerufen. Die vielleicht talentierteste Kandidatin flog raus, die große Karriere rückte damit wieder ein Stück in die Ferne.

Trotzdem lacht Francisca Urio. Schon auf der Bühne bei der Verkündung der Entscheidung, und auch jetzt, in einem Café am Hackeschen Markt. „Es sollte eben nicht sein, dass ich gewinne“, sagt sie. Also zurück aus der Kölner „Superstar“-Villa in die kleine Wohnung in Wilmersdorf. Zurück ins alte Leben? Nicht ganz. Von ihrem Job als Moderatorin bei Jazz-Radio ist Francisca Urio vorerst freigestellt. Momentan beantwortet sie ihre Fanpost (allein 3000 Mails kamen in der ersten Woche nach ihrem DSDS-Aus), absolviert kleinere Auftritte für Radio und Fernsehen. Und dann gibt es da noch mehrere Angebote von Musikproduzenten, die will sie „aber erst mal in Ruhe prüfen“.

Sängerin wollte Francisca Urio schon als Teenager werden. Das Talent wurde ihr aber nicht in die Wiege gelegt: Franciscas Eltern, die sich während des Studiums in Dresden kennenlernten und später nach Berlin zogen, sind beide Architekten. Trotzdem hören sie daheim gern Musik – Vater Geoffrey, der aus Tansania stammt, mit Vorliebe Reggae und Soul. Vor allem Letzteres hat Francisca stark geprägt. Mit Freundinnen studierte sie Songs von Stevie Wonder ein und trat damit bei Streetball-Turnieren auf oder bei Musikabenden an ihrer Schule in Friedenau. Es folgte der typische Werdegang ambitionierter Nachwuchkünstler: Francisca Urio nahm ein Demoband auf und schickte es an Plattenfirmen. „Manchmal bin ich auch einfach hin, hab mich ins Büro gestellt und angefangen zu singen.“ Mit einer Freundin trat sie unter dem Bandnamen Silvashado in Berliner Clubs auf, sang im Background von Stars wie Seal oder Mousse T.

Aber der lang ersehnte Plattenvertrag blieb aus. Deshalb auch DSDS. „Vorher hatte ich keine Lust dazu, vielleicht hab ich mich auch nicht bereit gefühlt“, sagt Francisca. Runde für Runde schraubte die 26-Jährige mit ihren Auftritten bei der TV-Show die Messlatte für sich und die anderen Kandidaten ein bisschen höher. Sie sang den Klassiker „Licence to kill“ oder „If I ain’t got you“ von Alicia Keys. „Weltklasse“, urteilte Juror Heinz Henn. Nur Dieter Bohlen warnte: „Du bist vielleicht zu perfekt.“ Francisca Urio lacht jetzt nicht mehr ihr schallendes Lachen, wenn sie daran zurückdenkt, sie lächelt nur noch. „Ich hätte nichts anders machen können.“

Nur eine Sache bedauert die Sängerin: Dass sie nicht an der Big-Band-Show teilnehmen durfte. Der Auftritt vor großem Orchester, das hätte sie schon gereizt. Das Outfit dafür, ein cremefarbener Hosenanzug mit Zylinder, lag bereit. Und auch den Song hatte Francisca Urio schon ausgewählt – das laszive „Fever“. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass sie damit einen glamourösen Auftritt hingelegt hätte. Vorstellen kann sich das auch Klaus-Peter Beyer, Intendant des Filmorchesters Babelsberg. In einer Radiosendung, in der Francisca kurz nach ihrem Ausscheiden ein Interview gab, überraschte Beyer sie: Weil er an ihr Talent glaubt, wollen er und seine Musiker der Sängerin doch noch ihren Big-Band-Auftritt ermöglichen. Derzeit organisieren sie ein gemeinsames Konzert. Wann und wo es genau stattfindet, steht noch nicht genau fest.

Auch für die Zeit danach hat sich Francisca Urio viel vorgenommen. Sie will möglichst bald ihr erstes Album aufnehmen. „Ich bin ganz hibbelig. Wenn es nach mir ginge, wäre die CD schon fertig.“ Aber – das hat sie bei DSDS gelernt – sie darf jetzt nichts überstürzen. Und: „Wichtig ist, dass ich meinen eigenen Stil entwickle.“ Dann klappt es vielleicht auch ohne Schützenhilfe von Bohlen und Co.

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