• Im "Espace Créateurs" der Galéries Lafayette stellen sie zusammen mit dem Label Nix die Berliner Szene-Fraktion

Berlin : Im "Espace Créateurs" der Galéries Lafayette stellen sie zusammen mit dem Label Nix die Berliner Szene-Fraktion

Susanna Nieder

Wenn Ralf Hensellek Mode beurteilt, geht er immer auch danach, ob sich ein Designer etwas traut. Die ganz pragmatische, am Bedürfnis des Trägers orientierte Linie ist seine Sache nicht. Mode bedeutet für ihn und seinen Kompagnon Thomas Mrozek, mit dem er seit 1994 unter dem Label "Thatchers" zusammenarbeitet, das Rad immer ein bisschen weiterzudrehen. Das macht ihre Kollektionen nicht experimentell oder gar untragbar; manchmal denkt Hensellek sogar wehmütig an die Zeiten zurück, als sie sich an Kostümen für Off-Theaterproduktionen hemmungslos austoben konnten. Aber man entwickelt sich, und wer verkaufen will, darf die Wünsche der Kundinnen nicht aus den Augen verlieren.

Die Kundin von Thatchers ist jung, schlank und experimentierfreudig. Hensellek und Mrozek verwenden in aller Regel Stretchstoffe, mal in Denim, gern auch transparent oder in Lurex, und öfter mal einen Ausreißer wie das dicke Material, das eigentlich zur Herstellung von Turnschuhlaschen verwendet wird. Dem Stoff und seinem Fall entsprechend körpernah sind die Schnitte, die der Trägerin einiges Selbstvertrauen abfordern.

Typischerweise verwenden die Thatchers ironische Details wie riesige Stehkragen fast bis über die Ohren oder verwenden einen biederen Schnitt für ein Material, das die ursprüngliche Bedeutung vollkommen umwirft, wie etwa beim altmodischen Kleidchen aus durchsichtigem Stoff. Für den Winter 2000 haben sie neben glänzendem Schwarz die Farben Blau, Aubergine, Rot und Eisgrau verwendet.

Im "Espace Créateurs" der Galéries Lafayette stellen die Thatchers zusammen mit dem Label Nix sozusagen die Berliner Szene-Fraktion. Ihre Arbeit bezeichnen sie als "Visualisierung eines ästhetischen Dialogs mit der Gegenwart" - ihre künstlerischen Impulse kommen aus unterschiedlichen künstlerischen Bereichen wie Fotografie und Architektur, Video, Musik, Computerdesign.

In der Szene sind sie ebenfalls aktiv. Seit 1996 veranstalten die Thatchers die Berliner Designer Sales Party, die "immer dann stattfindet, wenn keiner damit rechnet", und vor allem die szenigen Berliner Labels auf zwanglose Weise unter einen Hut bringt. Seit einigen Jahren sind sie mit zwei Trendkollektionen pro Jahr auch im Ausland vertreten; 50 Prozent ihres Umsatzes machen sie in Frankreich, Dänemark, Japan und den USA. Ihr kreatives Potential trug ihnen 1997 den "International Designer Award" der deutschen Textilindustrie ein.

Mittlerweile werden sie vom Pariser Pressebüro Girault-Totem vertreten, das seit März dieses Jahres eine Dependance in Berlin betreibt. Und neulich hat das Bordmagazin der Lufthansa ein Modell von ihnen als Titelfoto verwendet. Die Szene sprengt ihre Grenzen!

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