Berlin : Im Freibad hat der Sommer schon begonnen

Ab heute sind sieben Bäder geöffnet – dafür werden Schwimmhallen geschlossen. Die Eintrittspreise wurden nicht erhöht

Matthias Oloew

Für Erhard Kraatz gibt es nur zwei Jahreszeiten. Winter und Sommer. Seit vier Wochen ist für ihn Sommer. Trotz Temperaturen, die eher an vorfrühlingshafte Tage erinnern. Alles kein Vergleich zu früher, sagt er: „Ich erinnere mich an einen 3. Mai in den 70ern. Da hat’s geschneit.“

Kraatz’ Sommer hat an dem Tag begonnen, an dem der Leiter des Kreuzberger Prinzenbades mit seinen Kollegen anfing, das kultträchtige Schwimmbad für die Sommersaison vorzubereiten. Eine lange Liste galt es abzuarbeiten: das schlammige Wasser, das den Winter über in den Becken stand, wurde abgelassen, lose Fliesen ersetzt, und die Becken wurden mit einem Hochdruckreiniger gesäubert. Wenn sie schnell sind, brauchen zwei Auszubildende für ein Becken einen ganzen Tag. Außerdem wurden auf der Wiese Stolperfallen, etwa Maulwurfslöcher, beseitigt, lose Steinplatten auf den Terrassen festgeklopft, darunterliegende Wurzeln gekappt. Umkleiden und Toiletten sind geputzt, und die Gräser, die in den Steinfugen wachsen, sind entfernt. Abschließend gab es vom Gesundheitsamt den Brief und Stempel, mit dem die Bäder-Betriebe ihre Sommerbäder in Betrieb nehmen dürfen.

Dem Brief geht eine Abnahme voraus. Ein hochoffizieller Termin ist das, mit Amtsärztin vom Bezirksamt, Beamten vom Landesamt für Gesundheitsschutz und technische Sicherheit, der Polizei … kurzum, ein Tross von knapp einem Dutzend Landesbediensteten ist dafür nötig. Erhard Kraatz hat die Gruppe geduldig über das ganze Gelände geführt, während zwei Auszubildende die beiden Sauggeräte über die Böden der Schwimmbecken fahren ließen. Wie zwei Staubsauger auf vier Rädern sehen sie aus. Sie nehmen den Dreck auf, der im Becken gelandet ist, seitdem das Wasser drin ist.

Das Wasser ist schon seit einigen Tagen wieder drin. Es wird langsam beheizt und umgewälzt, damit auch die Wasserwerte stimmen und das Gesundheitsamt keine Bedenken mehr hat. In sieben Sommerbädern sah es in den letzten Tagen ähnlich aus. In diesen Bädern (siehe Kasten) beginnt am heutigen Sonnabend die Sommersaison.

Bis die Unbedenklichkeitsbeurteilung der Gesundheitsämter vorliegt, ist es immer ein bisschen spannend, ob der Zeitplan auch zu halten ist. „Dieses Jahr war es schwierig, weil der Frost so lange im Boden war“, sagt Klaus Schulze, Regionalleiter der Bäder-Betriebe und als Aufsichtsinstanz des Prinzenbades dabei, wenn der Beamtentross das Bad inspiziert. Solange der Boden gefroren ist, kann kein frisches Wasser in die Becken. Schulze wünscht sich, statt lose Fliesen in den Becken Jahr für Jahr zu ersetzen, Edelstahlwannen einzubauen. Doch dafür haben die Bäder-Betriebe kein Geld. Es reicht gerade noch, die vorhandenen Bäder zu betreiben und einigermaßen in Schuss zu halten.

Mit der Öffnung der Sommerbäder ist in vielen Schwimmhallen Schluss, allerdings nur für die zahlende Öffentlichkeit. Schulen und Vereine dürfen weiter auch in diesen Hallen schwimmen gehen. Um die Hallen für alle offen zu halten, reicht das Bäder-Personal nicht aus und Saisonkräfte können die Bäder-Betriebe sich nicht mehr leisten.

Auch Erhard Kraatz muss ohne sie auskommen. Das Bad hat er auch so im Griff, vor allem, wenn es nicht zu sommerlich wird: „Wenn es mehrere Tage hintereinander heiß ist, drehen die Leute durch.“ Deshalb wünscht er sich vor allem „ruhige und besonnene Badegäste.“

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