Berlin : Im Fusionsfieber

Betriebskrankenkasse will mit zwei Partnern zusammengehen

Ingo Bach

Die Betriebskrankenkasse Berlin, seit Jahren ein Sanierungsfall, sucht intensiv nach einem starken Fusionspartner, um wieder auf die Beine zu kommen. Nun gibt es Hinweise darauf, dass der Vorstandschef der Krankenkasse, Jochem Schulz, fündig geworden ist. Am kommenden Montag übernimmt Schulz kommissarisch und zunächst auf drei Wochen befristet auch die Leitung der Betriebskrankenkasse Heilberufe mit Sitz in Düsseldorf. Die Versicherung ist mit 460 000 Mitglieder eine der größten Betriebskrankenkassen Deutschlands.

Insider spekulieren nun über eine mögliche Fusion der BKK Heilberufe mit der des Landes Berlin, die rund 115 000 Mitglieder mitbringen würde. Als weiterer Partner für eine Fusion ist die BKK Hamburg im Gespräch: Diese Krankenkasse leitet der Bruder des Berliner BKK-Chefs, Herbert Schulz. Auch diese Kasse ist in schwieriges Fahrwasser geraten. Die Hamburger Bürgerschaft hat der Kasse eine Frist bis zum 31. März gesetzt, um ein Sanierungskonzept vorzulegen. Durch den Zusammenschluss der drei Partner würde ein Unternehmen entstehen, die bundesweit mit rund 680 000 Mitgliedern zu den größten Betriebskrankenkassen gehören würde.

Jochem Schulz hat sich den Ruf erarbeitet, ein harter und konfliktfreudiger Sanierer zu sein. So hat er den Schuldenstand der Berliner BKK von einst 146 Millionen Euro auf jetzt 29 Millionen rediziert. Dafür ist sie mit einem Beitragssatz von 15,7 Prozent eine der teuersten Kassen in Deutschland. Für die Berliner Versicherten könnte die Fusion bedeuten, dass der Beitragssatz deutlich sinkt. Auch das Land Berlin könnte direkt profitieren: weil die meisten Versicherten im öffentlichen Dienst arbeiten, muss der Senat den hohen Arbeitgeberanteil zahlen.

BKK-Chef Jochem Schulz bestätigt, dass er bei mehreren Betriebskrankenkassen angefragt hat, um einen möglichen Fusionspartner für die angeschlagene Berliner BKK zu finden. Konkrete Gespräche gebe es aber nicht. Schulz sagt nur soviel: Der mögliche Fusionspartner müsse mindestens 200 000 Mitglieder mitbringen und einen Beitragssatzbedarf von maximal 14 Prozent. Der Kassenchef fügt hinzu, dass die „Verwaltungszentrale einer solchen Kasse in die Bundeshauptstadt gehört“. Er würde gern in Berlin bleiben, sagt Schulz, auch wenn er am Montag erst einmal nach Düsseldorf zu seinem neuen Arbeitgeber müsse. Die Berufung eines neuen Chefs für die BKK Heilberufe war nötig geworden, weil die ehemalige Billigkasse das starke Mitgliederwachstum nicht verkraftet hat. Außerdem habe die Düsseldorfer Kasse ihren Beitragssatz zu lange auf dem niedrigen Stand von 11,9 Prozent belassen, so Kritiker. Das Ergebnis ist ein Schuldenstand in Millionenhöhe.

Auch die Berliner Kasse kann aus eigener Kraft nicht gesunden. Die Suche nach einem Partner war nötig geworden, weil im letzten Jahr die Fusion mit der Betriebskrankenkasse der Verkehrsbauunion in letzter Sekunde gescheitert war.

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