Berlin : Im Gefängnis die nächste Tat vorbereitet

Vergewaltiger auf Bewährung schlug wieder zu. Nun verhängte Gericht unbegrenzte Sicherungsverwahrung

Kerstin Gehrke

Die Gesellschaft sollte vor Detlef H. geschützt werden. Das befanden Richter bereits vor zwanzig Jahren. Damals ging es um eine Serie von zwölf Sexualstraftaten. Er bekam die Höchststrafe: 15 Jahre Haft und Sicherungsverwahrung. Doch bereits neun Jahre später gewährte ihm die Justiz Milde. Das wurde zwei Mädchen zum Verhängnis. Um die angemessene Strafe für diese beiden Taten im Freigang wurde jahrelang gestritten. Gestern verhängte das Berliner Landgericht elf Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung.

Der 45-jährige Klempner sei auch heute noch ein gefährlicher Mensch mit dem Hang zu Gewalttaten, begründete das Gericht. Die lange Zeit hinter Gittern und eine vierjährige Sexualtherapie, die ihm dort ermöglicht wurde, hätten daran nichts geändert. Es bestehe die Gefahr, dass er erneut zuschlage – getrieben von dem Willen, „seine sexuellen Phantasien auszuleben, Macht über Frauen auszuüben". Der Angeklagte habe die Straftaten immer dann begangen, wenn er keine Beziehung zu einer Frau hatte.

Die verhängte Sicherungsverwahrung könnte im Falle von H., so die Richter, auch lebenslang bedeuten. Sie ist das „letzte Mittel" zum Schutz der Allgemeinheit vor gefährlichen Tätern und zeitlich nicht befristet. Laut Gesetz dauert sie „so lange, wie ihr Zweck es erfordert". Detlef H. ist es gelungen, das „letzte Mittel" beim ersten Mal unglaublich schnell abzuschütteln. Man wird ihn künftig mit anderen Augen prüfen.

Seine erste Serie von Vergewaltigungen fand Mitte der 80er Jahre statt. Damals verbreitete H., der bis dahin unauffällig bei der Mutter gelebt hatte, im Tiergarten Angst und Schrecken. Er soll meist einen Seemannspulli und eine Pudelmütze getragen haben, wenn er als Jogger getarnt durch die Dunkelheit lief. Doch er hielt Ausschau nach Opfern. Zwölf Frauen zog er ins Gebüsch – die jüngste 14, die älteste 63 Jahre alt. Im April 1986 wurde er zur Höchststrafe verurteilt.

Fünf Jahre später bekannte er sich in einem Brief erstmals zu den Taten. Und er bat um Hilfe. Er schien aus Sicht der Justiz auf einem einsichtigen Weg, führte sich gut in der JVA, zeigte sich zugänglich gegenüber Therapeuten. Nach neun Jahren Haft bekam er Wochenend-Urlaub. Aus der Haft heraus soll er begonnen haben, weitere Übergriffe vorzubereiten. Er schaltete Anzeigen, in denen er einen Babysitter suchte. Er lockte im Oktober 1995 und im September 1997 zwei 16- und 17-jährige Schülerinnen an den Wannsee. Er sprach von seiner angeblichen Villa und einer Abkürzung dorthin durch den Wald. Das jüngere Mädchen wurde vergewaltigt, das andere Opfer musste Oralverkehr erdulden. Nach den Übergriffen kehrte Detlef H. in die Haftanstalt zurück, als wäre nichts geschehen. Mit Erfolg täuschte er die Justiz: Im Mai 1997 wurde er entlassen, die Sicherungsverwahrung auf Bewährung ausgesetzt. Erst im Jahr 2002, nachdem H. zur Abgabe einer Speichelprobe aufgefordert worden war, konnte er als Täter im Falle der beiden Schülerinnen überführt werden. Im ersten Prozess 2003 wurde er zu zwölf Jahren Haft verurteilt, von Sicherungsverwahrung sahen die damaligen Richter ab. Dieses Urteil hatte der Bundesgerichtshof aufgehoben. K. G.

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