Berlin : Im Glauben gut gelaunt

Hunderte Methodisten aus aller Welt feiern in Potsdam den 300. Geburtstags ihres Gründungsvaters John Wesley

Volker Eckert

SONNTAGS UM ZEHN

Wenn eine kleine Bewegung sich neben einer viel größeren behaupten muss, dann identifiziert sie sich meist durch Abgrenzung: Wir sind anders. Deshalb muss es uns geben. Man denke nur an den Kampf der anglikanischen Kirche um Loslösung von Rom. Auch Regionen, die um Unabhängigkeit kämpfen, pochen besonders laut auf ihre kulturellen Eigenheiten.

Die methodistische Kirche ist in Deutschland auch eine kleine Bewegung neben den beiden großen Kirchen. 100 Mitglieder hat die Gemeinde in Potsdam, wo sich in den vergangenen Tagen fast 1000 Methodisten aus aller Welt trafen, um den 300. Geburtstag des Gründers ihrer Bewegung, John Wesley, zu feiern. Den Abschluss bildete ein Gottesdienst am Sonntag in einem Zelt auf der Halbinsel Hermannswerder. Zwar legen die Methodisten wenig Wert auf Abgrenzung und betonen ihre Nähe zur evangelischen Kirche. Doch in der Messe mutet manches anders an, als das viele evangelische und katholische Kirchgänger kennen.

Über zwei Stunden dauert der Gottesdienst und das bei über 30 Grad. Fast alles wird ins Englische übersetzt. Ein russischer Chor singt, später eine amerikanische Gospelgruppe. Der Refrain wird kurz eingeübt, damit alle mitsingen können, ein ziemlich fülliger junger Schwarzer animiert mit wild rudernden Armen zum Einstimmen. Jedes Lied wird beklatscht, manchmal sind auch Johlen und Pfiffe zu hören. Ein Pfarrer aus Kasachstan hat einen kurzen Auftritt, erzählt von seiner kleinen Gemeinde, der ersten im Land. Zu wenig Arbeit, zu viel Alkohol, das sind dort die Probleme. Bis Potsdam war der Mann tagelang im Bus unterwegs. Ein anerkennendes Raunen geht durch die Reihen.

Der Engländer John Wesley gründete die Methodistische Kirche im 18. Jahrhundert in Nordamerika, als die anglikanische Kirche seine Bewegung nicht mehr mittragen wollte. Die methodistische Lehre unterscheidet sich nicht von der evangelischen. Anders als bei dieser kann aber hier jeder am Abendmahl teilnehmen. Mitglied kann man erst als Erwachsener werden, steuerliche Einnahmen gibt es keine.

Immer wieder während der Messe fällt der Name des Gründers. Über dem Podest hängt ein großes Bildnis von Wesley, in einem kleinen Zelt nebenan werden zahlreiche Bücher über ihn angeboten. Sogar ein Comic erzählt, wie Wesley zum Glauben fand, sich später gegen die Sklaverei einsetzte. John Wesley Superstar. Für die Methodisten ist ihr Gründer ungefähr so wichtig wie Martin Luther für die Protestanten.

Allerdings, so heißt es, werde der Personenkult sonst nicht so weit getrieben wie an diesem Wochenende. Wichtiger ist den Freikirchlern die Gemeinschaft, auch innerhalb der Ökumene. Der Potsdamer Pfarrer Volker Bruckart formuliert das mit einer Bescheidenheit, die man selten hört: „Wir sind nichts Besonderes.“

Zu den Gottesdiensten der methodistischen Gemeinde Potsdam ist jeder willkommen. Sie finden sonntags um 10 Uhr in der Anni-von-Gottberg-Straße 14 im Kirchsteigfeld statt.

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