Berlin : Im Glück: Christian Petermann

Der PDS-Politiker gewann bei Günther Jauch 125 000 Euro

Sabine Beikler

Wie verbindet man seinen sozialistischen Glauben mit einem 125 000-Euro-Gewinn in der RTL-Quizsendung „Wer wird Millionär“?, ohne seinem Gewissen weh zu tun? Indem man schlagfertig erklärt, „dass das doch ’ne tolle Umverteilungsaktion ist, sich ’nen reichen Sender suchen, das Geld gewinnen und einen Teil davon wieder weitergeben.“ Seit Montagabend ist Christian Petermann, PDS-Bezirksverordneter im mitgliederstärksten Berliner PDS-Bezirk Lichtenberg, um 125 000 Euro reicher. Der 23-jährige Politologie-Student hat bei Günther Jauch seine Nerven behalten und ist bei der 250 000-Euro-Frage rechtzeitig ausgestiegen. Moderator Günther Jauch hat sich während der Sendung mit dem PDS-Politiker charmante Wortgefechte geliefert. Bei 64 000 Euro philosophierten die beiden über den Kaufpreis von Luxus-Wohnungen im Beisheim-Center. Jauch: „Für das Geld kriegen Sie dort schon mal ’ne Außentoilette.“ Christian Petermann frotzelte zurück: „Ach, Herr Jauch, da haben Sie sich also schon schlau gemacht.“ Außerdem müsse ein PDS-Politiker doch sicher etwas von seinem Gewinn an die Partei abgeben, stichelte Jauch weiter. „Muss ich noch mal nachfragen. Aber müssen muss ich nicht“, entgegnete Christian Petermann.

Ja, was macht dann ein junger Mann, der mit 16 in die sozialistische Partei eingetreten ist, mit einem solch großen Gewinn? Er lädt erst einmal Freundin Katrin und ein paar andere Freunde zu einem einwöchigen Urlaub nach Lappland ein, tauscht als BMW-Fan seinen alten 3-er gegen einen Neuwagen, unterstützt mit 12 500 Euro Jugendprojekte in seinem Bezirk und legt den Rest an. Und die Partei? Die geht leer aus. Christian Petermann findet es sinnlos, „großen Organisationen“ – dazu zählt er die PDS – Geld zu geben, das dann irgendwo landet, aber nicht da, wo es konkret gebraucht wird. Sagt er. Und auf eine Parteikarriere legt er es auch nicht mehr an. Seine Erfahrungen als Delegierter auf Parteitagen hat er bereits gemacht und kann „inzwischen darauf verzichten“, sagt er. Das dürfte PDS-Wissenschaftssenator Thomas Flierl grämen: Christian Petermann findet nämlich sein umstrittenes Studienkonten-Modell gut. Petermanns Stimme könnte Flierl auf dem PDS-Parteitag Anfang April gut gebrauchen.

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